REpresente – Die Zukunft ist jetzt

REpresente – Die Zukunft ist jetzt bildet die sozialen Bewegungen Argentiniens ab und lässt antikapitalistische, indigene, feministische Aktivist:innen zu Wort kommen. Die Bandbreite der Proteste und Bewegungen ist faszinierend. Weltweit Schlagzeilen machten Ni una menos (Nicht eine weniger) oder die Proteste gegen den G20 Gipfel 2018 in Buenos Aires. Die Regisseur:innen – Dario Farcy, Bettina Müller, Joana Splieth und Tina Wilke – gehen aber auch der Organisierung von Kleinbäuer:innen oder Arbeiter:innen in Kooperativen nach.

© Moving Media e.V.

Um bei dieser Vielfalt nicht den Überblick zu verlieren, ist der Dokumentarfilm in Kapitel zu Armut, Feminismus, Ökologie und Arbeitskämpfen unterteilt. REpresente beginnt mit einer Analyse der gegenwärtigen Situation Argentiniens, die vor allem von Armut in der Bevölkerung geprägt ist. Eine Toncollage politischer Redebeiträge zeigt die Präsenz des Themas in der öffentlichen Debatte. Der Dokumentarfilm fokussiert jedoch nicht auf das Parlament oder den Präsidenten, die versprachen die Armut zu bekämpfen und die Inflation zu beenden, sondern auf Aktivist:innen, die sich in ihren Nachbar:innenschaften organisieren.

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Neben Interviews vermitteln  Aufnahmen von Demonstrationen und verwackelte Bilder von Polizeigewalt einen Eindruck von staatlicher Gewalt und aktivistischer Gegengewalt. Die Protagonist:innen in REpresente treten entschlossen und mutig für einen gesellschaftlichen Wandel ein, der sich auf alle Lebensbereiche erstreckt. Die Anordnung der Interviews unterstreicht die Wechselwirkungen zwischen Ökonomie, Ökologie, Imperialismus und Geschlechterverhältnissen. Die klare Struktur in REpresente unterstützt die verständlichen Analysen und Deutungen dieser Zusammenhänge ohne dabei oberflächlich zu bleiben.

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Feministische Kämpfe sind ein Schwerpunkt des Films. In Argentinien wird jeden Tag eine Frau getötet, die Lebenserwartung von Trans*Personen liegt zwischen 35 und 45 Jahren. Die Regisseur:innen folgen dem Anliegen der Aktivist:innen, zuzeigen, dass „wir nicht nur Körper sind, die man einfach so wegwirft“. Portraitaufnahmen unterschiedlichster Frauen, die auf Demonstrationen für ihr Recht auf Leben kämpfen, schaffen eine Verbindung zwischen den Feminist:innen auf der Leinwand und davor.

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Die Proteste haben einen großen Wiedererkennungswert: Bilder argentinischer Feminst:innen, die sich zu Hunderttausenden die Straßen Buenos Aires’ aneigneten, gingen um die ganze Welt. Die Demonstrationen brachten nicht nur die horrende Zahl von Femiziden in die Öffentlichkeit, sondern belebten zudem den verloren geglaubten Kampf um ein Recht auf Abtreibung. Ni una menos wurde zu einer treibenden Kraft eines globalen Frauenstreiks am 8. März. Das grüne Dreieckstuch wurde zum Symbol feministischer Hoffnung – wenn eine solche Mobilisierung in Argentinien gelingt, warum dann nicht auch in allen anderen Teilen der Welt. REpresente strahlt diese kämpferische Zuversicht aus.

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Immer wieder beschwört REpresente das Verbindende zwischen verschiedenen Kämpfen. In dieser Logik verknüpfen wiederkehrende Statements der Aktivist:innen die einzelnen Kapitel. Die Regisseur:innen eröffnen durch die vielfältigen Beispiele von Aktivismus und Organisierung eine ermächtigende und motivierende Perspektive auf eine globale Bewegung für eine bessere, eine gerechtere Welt.

REpresente feiert 2020 Premiere und ist jetzt schon eine große Empfehlung der FILMLÖWIN für das kommende Jahr!

Lea Gronenberg

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