Ein Sommer in Paris – Kurzkritik
Im Sommer 2024 reist Blandine (Blandine Madec) aus einem kleinen Ort in der Normandie für ein paar Tage nach Paris, um die Olympischen Spiele aus der Nähe mitzuerleben. Besonders die Schwimmwettbewerbe mit Béryl Gastaldello, deren offenen Umgang mit dem Thema der mentalen Gesundheit im Sport sie bewundert, liegen ihr am Herzen. Gleichzeitig nutzt sie die Reise in die französische Hauptstadt, um sich ihrer Stiefschwester Julie (India Hair) nach vielen Jahren des abgebrochenen Kontakts wieder zu nähern. Diese ist zusammen mit ihrer kleinen Tochter Alma (Lou Deleuze) in Paris zu Hause.

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Valentine Cadics Debütfilm Ein Sommer in Paris, der bei der Berlinale 2025 als Weltpremiere zu sehen war, begleitet Blandine auf ihrem Trip zwischen Partystimmung, Small Talk mit neuen Bekannten und Familienzwist. Blandine erfreut sich an der Aufregung und Festatmosphäre, die die olympischen Ereignisse mit sich bringen. Gleichzeitig empfindet sie die Einblicke in das Privatleben ihrer Schwester als unvertraut, kann die darin herrschenden Konflikte nicht richtig einordnen. Julies Leben ist geprägt von Überlastung mit Care-Arbeit, Dating und Streitigkeiten mit ihrem Ex Paul, dem Vater ihrer Tochter, der sich nicht an Sorgerechtsabsprachen hält.___STEADY_PAYWALL___
Durch wiederkehrende Gesprächsfetzen erfahren Zuschauende, dass sich Blandines Alltagsleben zu Hause wesentlich anders gestaltet als das ihrer Schwester in den engen Pariser Straßen: Blandine betont, dass nur weil so viele andere ihr Leben um Familie, Kind und Beziehung ausrichten, sie es doch nicht genauso handhaben muss. Denn Blandine ist nicht auf der Suche nach romantischer Liebe, mag ihr Leben und Heim nicht teilen und ist gerne für sich. Ihre Arbeit als Klavierlehrerin und die Nähe ihres Zuhauses zum Meer erfüllen sie mit Glückseligkeit.

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Cadic und Co-Autorin Mariette Désert lassen ihre Hauptfigur von Situation zu Situation gleiten. Gedreht wurde während der tatsächlichen Olympischen Spiele 2024. Die Kamera von Naomi Amarger fängt reale Wettkampfstätten (darunter die Schwimmhalle wie auch die gesperrte Triathlonstrecke in der Seine), Sehenswürdigkeiten und Public Viewing ein. Amarger bleibt nah an Blandine dran, fokussiert, wie sie Situationen als Beobachterin geduldig und mit Freundlichkeit navigiert.
Es ist besonders Blandine Madecs Schauspiel geschuldet, dass Blandines gewecktes Interesse während ihrer Erkundungen niemals in Überforderung umschlägt, sondern ein konstantes Gefühl des Erkundens und Auf-sich-Wirken-Lassens dominiert. So vermeidet Ein Sommer in Paris auch gängige Aspekte des Fish out of Water-Tropes, fokussiert sich nicht auf Situationen des lustig Fehlplatzierten oder eine Hauptfigur mit einer angeblich naiven Weltanschauung, sondern hebt die Chancen zur vorübergehenden Reflexion in einer neuen Umgebung hervor.

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Ein Sommer in Paris zentriert eine Flaneurin, die nichts aus der Ruhe bringt. Weder Tourist*innen noch Menschenmassen, weder großstädtische Geschäftigkeit noch enges Zusammenleben. Auch die privaten Zwiste zwischen Julie und Paul oder den Schwestern selbst nimmt Blandine wenig aufgeregt wahr. Vielmehr ist Cadics Flaneurin eine Fürsprecherin für das bewusste Alleinsein, für den Mut zum entschleunigten Erkunden und die Freude an der Rückkehr zum Gewohnten.
Ein Sommer in Paris startet am 4. Juni in den Kinos.
Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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