Doxumentale’26: Hex – Kurzkritik
Nikoline, Victoria und Johanna – besser bekannt als Witch Club Satan – beschließen 2022, dass sie in die norwegische Black-Metal-Szene einsteigen wollen. Dabei spielen sie gar nicht so besonders gut Instrumente, haben mit Metal nicht viel am Hut und sind noch bei keinen großen Konzerten aufgetreten. Denn eigentlich versteht sich das Trio als eine Gruppe von Performerinnen, Künstlerinnen und Autorinnen. Ausgebildete Musiktalente zu werden, ist bei ihrem Anliegen eher zweitrangig: den Feminismus auf die männlich dominierten Bühnen der Black-Metal-Szene des Landes zu bringen. Maja Holands Dokumentarfilm Hex verfolgt drei Jahre der Bandgeschichte und fokussiert, wie Witch Club Satan sich Symbole und Erzählungen um Hexen zu eigen macht, um Räume einzunehmen, aus denen FLINTA* bisher ausgeschlossen wurden.

© Herstory_Hex Film Still
___STEADY_PAYWALL___Hexenerzählungen sind seltenst bequem. Sie zeugen von Wut und Unterdrückung, Schmerz und patriarchaler Gewalt. Als Symbole des feministischen Widerstands fordern Hexen heteronormative Genderrollen heraus und rebellieren gegen festgefahrene Vorstellungen von Weiblichkeit. So ist es auch Witch Club Satan ein Anliegen, aufzuwühlen – durch laute Musik, wortgewaltige Songtexte und selbstgestaltete Bühnenoutfits, die vom Okkulten inspiriert sind. Ihre Kostüme und das aufwendige Make-up erinnern an Darstellungen von Hexen der nordischen Mythologie (z. B. Völva) und sind inspiriert von Flammen als Symbole der Hexenverbrennungen in der Frühen Neuzeit.
Jedem der drei Bandjahre von 2022 bis 2025 ist in Hex ein eigenes Kapitel gewidmet. Holand verfolgt Witch Club Satan bei Proben, auf Konzertbühnen, in der Garderobe nach Auftritten und auch in privaten Momenten mit Partner*innen und Familie. Aufnahmen von skeptischen Gesichtern im Konzertpublikum und von Performances abseits der Bühne bei Inszenierungen von okkulten Ritualen mit Gleichgesinnten sind ebenfalls Teil der Musikdoku. Versatzstücke der selbstverfassten Liedtexte der Band blendet die Regisseurin regelmäßig in blutroter Schrift ein.

© Herstory
In einem von Holand speziell für die Doku inszenierten Prozess steht Witch Club Satan vor Gericht. Die Anklage: Sie sollen das norwegische Hexereigesetz von 1617 gebrochen haben, das besagt, wer einen Pakt mit dem Teufel schließt, wird mit dem Tode bestraft. Nikoline, Victoria und Johanna sitzen auf der Anklagebank, als Zeug*innen gehört werden Kritiker*innen wie Fans. Durch diese fiktionale Rahmenhandlung gibt Hex Einblicke in die Geschichtsbücher. Denn während der Prozess gegen Witch Club Satan nur inszeniert ist, fanden solche oder ähnliche Anklagen zu Zeiten der Hexenverfolgungen in Europa vom 15. bis zum 18. Jahrhundert wirklich statt. Hex erinnert auch an die Schicksale dieser verfolgten FLINTA*. In der Tradition dieser Vorbilder – durch Transgression und Rebellion – schaffen die Performerinnen von Witch Club Satan Räume und fordern, bestehende Kategorien zu überdenken.
Hex ist Teil des Programms der Doxumentale’26.
Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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