Drei Gedanken zu: Ladies First
Ladies First von Thea Sharrock ist ein echter Publikums-Hit auf Netflix. Die Komödie handelt von Damien (Sacha Baron Cohen), einem beruflich aufstrebenden Chauvinisten, der sich heftig den Kopf anstößt (während er Frauen hinterherschaut) und plötzlich in einer Welt erwacht, die von Frauen geführt wird. Eine Prämisse, die filmisch schon häufiger bearbeitet und in diesem Fall sogar konkret adaptiert wurde vom französischen Film Kein Mann für leichte Stunden (Je ne suis pas un homme facile) von Éléonore Pourriat aus dem Jahr 2018, der ebenfalls auf Netflix zu sehen ist. Irgendetwas scheint reizvoll an der Idee, die Verhältnisse umzukehren, dem Patriarchat den Spiegel vorzuhalten. Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Ladies First verpasst komplett die Chance, gesellschaftliche Machtverhältnisse in Frage zu stellen oder sogar alternative Vorstellungen eines gleichberechtigten Zusammenlebens zu formulieren.

© 2026 Netflix, Inc.
FILMLÖWIN Lea Gronenberg macht in diesem Text ihrem Ärger darüber Luft, dass Ladies First unter dem Deckmantel einer feministischen Komödie patriarchale Ideologie reproduziert und zeigt dies an ausgewählten Beispielen. Obwohl diese unvollständig bleiben, geben sie große Teile der Handlung preis.
Abwertung des Weiblichen
Ladies First bemüht sich nicht um Subtilität, wenn es darum geht, Damiens neue Lebensrealität zu beschreiben: Die Führungspositionen in seiner Werbeagentur besetzen ältere Frauen, die zuvor im selben Unternehmen als Reinigungskräfte oder Assistentinnen tätig waren, die Männer im Büro tragen Röcke, bringen den Kaffee und lassen Anzüglichkeiten lächelnd über sich ergehen. Die Werbung sexualisiert Männerkörper und zielt auf deren Selbstoptimierung, die Damien mit Ganzkörperwaxing und Penisverjüngung auch am eigenen Leib zu spüren bekommt. In seiner Familie übernimmt jetzt sein Vater den Haushalt, interessiert sich für seinen Beziehungsstatus und Enkelkinder und sucht emotionale Verbindung auch über körperliche Zärtlichkeit, während die Mutter anteilslos und distanziert auf dem Sofa chillt.
Es findet dabei überhaupt keine Umkehr der Verhältnisse, sondern nur der Rollenzuschreibungen statt: Die Männer verhalten sich „weibisch“, indem sie eine ins Groteske verzerrte Weiblichkeit performen. Ladies First setzt die Abwertung des Weiblichen, die männliche Vorherrschaft im Patriarchat sichert, einfach fort und schreibt sie lediglich dem anderen Geschlecht zu.___STEADY_PAYWALL___

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Unterwerfung statt Ermächtigung
Damiens Antrieb ist die Rückkehr in seine ursprüngliche Welt, in der er wieder Täter und nicht Opfer sein darf. Dafür, so erfährt er beiläufig, muss er es an die Spitze seiner Agentur schaffen. Seine größte Konkurrenz ist dabei ausgerechnet Alex (Rosamund Pike), die er als Quotenfrau befördert hatte, ohne ihr und ihrer Arbeit Wertschätzung oder Interesse entgegenzubringen und die er bei Kritik an seinem Verhalten direkt gefeuert hatte. Beim Versuch sie auszustechen lässt er nichts unversucht: Er macht sich hübsch, um die Aufmerksamkeit seiner weiblichen Vorgesetzten zu erwecken, aber auch nicht zu viel, um dennoch ernst genommen zu werden; er bereitet sich sorgfältig auf Meetings vor, bringt Ideen ein und appelliert, dass seine männliche Perspektive wertvoll sei, um Männer als Zielgruppe anzusprechen; er lässt sich betatschen und geht sogar ein sexuelles Verhältnis mit seiner Chefin ein.

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Allein, wie verharmlosend Ladies First mit dieser sexuellen Gewalt umgeht und das Narrativ des Hochschlafens bedient, ist fahrlässig. Noch absurder ist, dass Damien sein Ziel schließlich erreicht, weil er sich gegen eine ungerechtfertigte Kündigung durch Alex wehrt und diese ihm den Posten als CEO als Wiedergutmachung überlässt. Im Gegenzug verhilft er ihr zurück im Patriarchat zu einem kometenhaften Aufstieg in der Werbebranche, indem er sie einfach ihren Job machen lässt.
Die Ohnmacht, die für Damien Folge seines selbstverschuldeten Unfalls ist, resultiert für FLINTA* in der realen Welt aus strukturellen Ungleichheiten. Ladies First versucht auch hier gar nicht erst gesellschaftliche Verhältnisse in den Blick zu rücken, sondern zeigt unkritisch, dass Erfolg nur durch Anpassung und Unterwerfung, sowie die Gutmütigkeit einzelner Mächtiger möglich sein kann.

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Ein Fiebertraum aus der Manosphere
Das Gedankenspiel, was eigentlich anders wäre, wenn Frauen an der Macht wären, führt Ladies First in eine Welt, in der Frauen sich komplett egoistisch verhalten und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Sie übernehmen keine Verantwortung für Sorgearbeit, belegen selbstverständlich alle Führungspositionen, fördern sich nur gegenseitig. Männer betrachten sie als ungleichwertig, als Lustobjekte, die hübsch anzusehen, aber nicht ernstzunehmend sind.
Selbst als Spiegel des Patriarchats wäre das äußerst plump und vielleicht in den 1950ern als gelungene Satire durchgegangen. 2026 bedient es vor allem die Schreckensbilder über einen männerhassenden Feminismus, der von explizit misogynen Influencern, politischen Akteur*innen vom extrem rechten bis hin ins bürgerliche Lager und diesem einen Onkel auf der Familienfeier immer wieder heraufbeschworen wird. Im Versuch harmlose Unterhaltung zu bieten, befeuert Ladies First antifeministische Narrative, wie sie die extreme Rechte gezielt einsetzt, um die bestehende Ordnung der Geschlechter aufrechtzuerhalten, Wähler*innen zu mobilisieren und politische Allianzen zu bilden.
Netflix-Start: 22. Mai 2026
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