DOK.fest München 2026: The Culprits
Die katalanische Filmemacherin Marta Duran Lozano hatte als Teenagerin eine Abtreibung. Wie viele diese Erfahrung teilen, weiß sie damals noch nicht und schweigt. Als junge Erwachsene arbeitet sie aktiv daran, gesellschaftliche Tabus aufzubrechen. Ihr Dokumentarfilm The Culprits bringt die Erlebnisse ungewollt Schwangerer an die Öffentlichkeit.

© DOK.fest München, Boogaloo Films, Guspira Films
Grundlage für The Culprits sind überwiegend anonyme Erlebnisberichte von ungewollt Schwangeren, die sich für einen Abbruch entschieden haben. Etliche von ihnen mussten sich dafür strafbar machen, weil Spanien Schwangerschaftsabbrüche erst 2010 legalisierte und 2023 weiter liberalisierte. Manche erfuhren Unterstützung durch Familie und Freund*innen, andere waren auf sich gestellt. Einige empfanden die Situation als traumatisch, andere als positiv lebensverändernd und wieder andere fanden gar nichts Besonderes daran.

© DOK.fest München, Boogaloo Films, Guspira Films
Marta Duran Lozano bearbeitet diese Berichte in einem kreativen Prozess mit jungen Frauen, die selbst abgetrieben haben. In einem Mix aus Interviews, Lesungen und nachgestellten Szenen nähern sie sich einem typischen Ablauf an: vom Ausbleiben der Periode, dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dem Warten auf ein Testergebnis, dem Entscheidungsprozess, der Aushandlung mit dem sozialen Umfeld, bis hin zum Abbruch. Unter Berücksichtigung individueller Lebenssituationen und gesellschaftlicher Veränderungen sowie subjektiver Empfindungen und Wahrnehmungen stellt The Culprits eine Verbindung ganz unterschiedlicher Geschichten und damit eine Verbundenheit der Personen, die sie erlebt haben, her.___STEADY_PAYWALL___

© DOK.fest München, Boogaloo Films, Guspira Films
Die Chronologie unterbricht Marta Duran Lozano mit Sequenzen, in denen sie vor die Kamera tritt, um beispielsweise mit den Protagonist*innen eine Szene zu überarbeiten, aber auch um ihre eigenen Erlebnisse zu reflektieren. Dafür geht sie ins Gespräch mit ihrer Familie und ihrem damaligen Partner, gleicht ihre Erinnerungen und Empfindungen mit ihnen ab und formuliert mit dem Wissen um die vielen anderen ungewollt Schwangeren und deren Erfahrungen, welchen Umgang sie sich im Nachhinein gewünscht hätte.

© DOK.fest München, Boogaloo Films, Guspira Films
Durch die intensive persönliche Auseinandersetzung von Marta Duran Lozano und anderen Beteiligten, die immer wieder sichtbar in das Filmprojekt einfließen, es unterbrechen und neu formen, geht The Culprits über eine einfache Darstellung von Schwangerschaftsabbrüchen und der politischen Forderung nach sexueller Selbstbestimmung hinaus und schafft einen Ausdruck tiefer Solidarität.
The Culprits feierte Deutschlandpremiere auf dem DOK.fest München 2026.
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