Der Begriff „Mutter“ ist im feministischen Diskurs komplex. Einerseits werden Frauen in unserer Gesellschaft noch immer stark über ihre Reproduktionsorgane definiert und auf diese festgelegt, was trans Frauen ausschließt und cis Frauen mit einem projizierten „Mutterinstinkt“ unter Druck setzt. Gleichzeitig sind Mütter auf Grund patriarchaler und kapitalistischer Strukturen beruflich und privat benachteiligt. Alleinerziehende Mütter sind überproportional häufig von Armut betroffen.
Deshalb ist es uns wichtig, Filme über Mutterschaft zu beleuchten, ihre Konstruktion der sozialen Kategorie „Mutter“ zu analysieren bzw. jenen Filmen Aufmerksamkeit zu schenken, die Mutterschaft in ihrer Komplexität angemessen abbilden.
Alle Texte zu Mutterschaft im Film findest Du hier.
Eine kleine Auswahl unserer Texte

©MUBI_Credit_Kimberley-French
Die My Love von Lynne Ramsay (Filmkritik von Theresa Rodewald)
Grace ist keine schlechte Mutter. In Die My Love interessiert sich Regisseurin Lynne Ramsay nicht für binäre Wertungen und zeigt stattdessen eine Frau, die ihr Kind liebt und umsorgt, aber immer und immer wieder gegen die unsichtbaren Stäbe im Käfig heteronormativer Mutterschaft stößt.

© Distinto Films, Nexus CreaFilms, A Contracorriente
Sorda von Eva Libertad (Filmkritik von Charlie Hain)
Was heißt es, als gehörlose Frau in einer hörenden Mehrheitsgesellschaft Mutter zu sein? Diese Frage stellt sich Protagonistin Ángela (Miriam Garlo) in Eva Libertads Sorda, als sie und ihr hörender Partner Hector (Álvaro Cervantes) gemeinsam ein Kind erwarten. Inspiriert von Gesprächen mit ihrer gehörlosen Schwester Garlo, die auch die Hauptrolle übernimmt, untersucht Libertad die Vereinbarkeit der hörenden und gehörlosen Welt (…).

© FilmsThatMatter
15 Liebesbeweise von Alice Douard (Filmkritik von Sabrina Vetter)
In dem Drama 15 Liebesbeweise von Alice Douard werden Céline und Nadia im Frankreich des Jahres 2014 bald Eltern. Nachdem im Mai 2013 die gleichgeschlechtliche Ehe im Land eingeführt wurde, hat das Paar geheiratet – auch mit Blick darauf, dass Céline das gemeinsame Kind, das genetisch allein mit Nadia verwandt ist, nach der Geburt adoptieren kann.

© Logan White /
A24
If I Had Legs I’d Kick You von Mary Bronstein (Filmkritik von Bianca Jasmina Rauch)
Rose ByrnesPerformance trägt einen aufwühlenden, bizarren Film, der visuell und emotional nah, zuweilen sehr nah an seiner Protagonistin bleibt, während ihre Tochter die meiste Zeit der Handlung nur hör- aber nicht zur Gänze sichtbar wird. Mary Bronstein nimmt uns mit ihrem zweiten Spielfilm If I Had Legs I’d Kick You in den fordernden Alltag einer Mutter mit, deren Leben zunehmend aus den Fugen gerät.

© Capelight
The Assessment von Fleur Fortuné (Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger)
Überhaupt ist The Assessment insofern gelungene Science Fiction, als dass der Film ein vermeintlich weit von uns entrücktes Zukunftsszenario nutzt, um ganz reale gesellschaftliche Probleme zu verhandeln. Wer darf sich fortpflanzen und warum? Wie weit darf sich der Staat darin einmischen? Was sind eigentlich gute Eltern? Und haben wir nicht auch ein Recht darauf, “schlechte” Eltern zu sein?

© Pietari Peltola
Yön Lapsi von Hanna Bergholm (Filmkritik im Dialog von Sophie Charlotte Rieger & Sophie Brakemeier)
Ich mag Horrorfilme gar nicht, interessiere mich aber sehr dafür, wie das Thema Mutterschaft im Film verhandelt wird. Interessanterweise hat mich Yön Lapsi nicht sehr gegruselt. Vielmehr hat mich der Film extrem gerührt. Er hat für mich so punktgenau den „Horror“ meiner eigenen frühen Mutterschaft, also die ersten Monate nach der Geburt meines Kindes, mit den Mitteln des Genres in Bilder übersetzt … das hat mich zutiefst bewegt und zu Tränen gerührt.

© Piero Chiussi Berlinale 2020
In den folgenden Tagen begegnen mir viele weitere Mütter. Doch fast ausschließlich auf der Leinwand. Obwohl ich im Zuge der Berlinale 2025 mehrere Veranstaltungen besuche, auf denen ich nahezu ausschließlich mit Frauen ins Gespräch komme, finde ich andere Mütter in erster Linie in den Filmen. Woran liegt das?

© Kristina Salgvik
Interview mit Elizabeth Sankey über Witches (geführt von Sophie Charlotte Rieger)
In ihrem autobiografischen Dokumentarfilm Witches setzt Elizabeth Sankey das Krankheitsbild der perinatalen Depression in Zusammenhang mit der Hexenverfolgung. Zur Illustration ihrer Thesen, aber auch der Lebensgeschichten ihrer Protagonist*innen, verwendet sie Ausschnitte aus einer Vielzahl an Kinofilmen und Serien und schafft so eine weitere Kontextualisieren des Themas.





