15 Liebesbeweise – Kurzkritik
In dem Drama 15 Liebesbeweise von Alice Douard werden Céline und Nadia im Frankreich des Jahres 2014 bald Eltern. Nachdem im Mai 2013 die gleichgeschlechtliche Ehe im Land eingeführt wurde, hat das Paar geheiratet – auch mit Blick darauf, dass Céline das gemeinsame Kind, das genetisch allein mit Nadia verwandt ist, nach der Geburt adoptieren kann.

© FilmsThatMatter
Während sich Nadia mit der körperlichen wie mentalen Belastung einer Schwangerschaft auseinandersetzen muss, hat Céline vor allem mit ihrer Rolle als die „andere Mutter“ zu kämpfen. Denn rechtlich gesehen hat sie keine verwandtschaftliche Beziehung zu dem noch ungeborenen Kind. Erst die Adoption würde dies ändern. Während der Staat dem Paar Steine in den Weg legt, ist auch ihr gesellschaftliches Umfeld nicht sonderlich aufgeklärt, was das Thema lesbische Elternschaft betrifft.___STEADY_PAYWALL___
Douard begleitet das Paar, wie es im Privaten gemeinsam die Schwangerschaft erlebt, aber auch, wie es Bürokratie, Gespräche mit Medizinpersonal und die Neugierde von Familie und Freund*innen navigiert. Ihm begegnet wahlweise Unverständnis, Unvermögen und wohlgemeinte wie auch uninformierte Ratschläge.

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All das ertragen Céline und Nadia mit Geduld, denn – und daher der Filmtitel – sie müssen für eine erfolgreiche Adoption 15 Schreiben sammeln, in denen Familie, Freund*innen und Bekannte für Célines Tauglichkeit als Mutter bürgen. Der Schmerz und die Frustration, die die Absurdität dieser bürokratischen Hürden in einem Paar auslöst, das einfach nur als gleichwertige Eltern anerkannt werden will, drückt 15 Liebesbeweise in ruhigen Momenten getragen von melancholisch-zartem Schauspiel aus.
Und dann ist da noch Célines angespannte Beziehung zu ihrer Mutter Marguerite. Ein Brief der erfolgreichen und prominenten Konzertpianistin ist für das baldige Elternpaar besonders wichtig. Aber Tochter und Mutter stehen sich nicht besonders nahe: Die Mutter hätte es lieber, dass Céline die genetische Mutter des Enkelkindes ist. In den Augen ihrer Tochter war Marguerite ein emotional wie physisch abwesender Elternteil. Aufgrund ihrer Konzerttourneen ist sie viel gereist und hat die Mutterrolle in Célines Leben nie voll eingenommen.

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Wie sich diese Beziehung entlang von Fragen um Mutterschaft entwickelt, ist das Herzstück von 15 Liebesbeweise. So ist Douards Drama vor allem ein Film über Annäherung. Zwischen Menschen, die gerne Mütter sein würden, es aber nur sein dürfen, wenn andere für sie entscheiden, und denen, die sich in der gewählten Mutterrolle – und den romantisierenden Mythen des Patriarchats, die diese umgeben – doch nie ganz wohlgefühlt haben.
15 Liebesbeweise startet am 4. Dezember 2025 im Kino.
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