Kurdisches Filmfestival Berlin 2023: Eren

Mit einem breit aufgestellten Festivalprogramm aus über 50 Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen, Lesungen und Gesprächen bot das Kurdische Filmfestival Berlin in seiner 13. Ausgabe erneut eine Bühne für das kurdische Kino und Raum zum Austausch. Zum Abschluss präsentierte das Festival im ausverkauften fsk Kino Maria Binders bewegendes Portrait Eren.

© Meryem Yavuz _ Film Five GmbH

Eren Keskin kämpft seit über 30 Jahren für Menschenrechte in der Türkei. Als Rechtsanwältin verteidigt sie LGTBTIQ-Personen, Betroffene sexualisierter Gewalt und Kritiker*innen des türkischen Staates. In den Augen der Regierung macht sie das zur Terroristin. Gegen sie liefen bereits über 140 Strafverfahren. Aufgrund politisch motivierter Verurteilungen wegen „Beleidigung des Türkentums“ und „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ drohen ihr langjährige Haftstrafen, die jederzeit vollstreckt werden könnten. Um Öffentlichkeit für ihren Fall zu schaffen, drehte Maria Binder 2018 zunächst ein Kampagnenvideo für Amnesty International, das sie zu dem umfangreichen Portrait Eren weiterentwickelte. 

© Meryem Yavuz _ Film Five GmbH

Die Filmemacherin begleitete Eren Keskin über zwei Jahre gemeinsam mit ihrer Kamerafrau Meryem Yavuz und zusätzlicher Unterstützung von Ebru Kırancı. Das kleine, gut eingespielte Team bleibt beobachtend im Hintergrund, beinahe unbeachtet von den Protagonist*innen. Lediglich an einigen wenigen Stellen wendet sich Keskin direkt an die Kamera, etwa wenn sie beim Besuch des Gefängnisses in Diyarbakır darauf hinweist, dass dort keine Aufnahmen möglich sein werden oder um eine Drehpause bittet, nachdem sie Gerüchte um einen Haftbefehl gegen sich erreichen.

Eren bleibt stets nah an seiner Hauptfigur, zeigt sie hinter Aktenbergen im Büro, am Telefon, unterwegs im Auto oder Flugzeug, bei Kundgebung und auf Podien, im Gespräch mit Mandantinnen, Freund*innen und Verbündeten und bei Besuchen ihrer Mutter. Maria Binder und Meryem Yavuz fangen Entschlossenheit, Lebensfreude und Humor der bekannten Menschenrechtsverteidigerin ein, deren Persönlichkeit den Film hauptsächlich trägt. Trotz der dramatischen Lage für sie selbst und viele andere in der Türkei marginalisierte und verfolgte Personen sorgt sie für einige Lacher im Publikum. Die Botschaft lautet ganz deutlich: Eren Keskin lässt sich nicht unterkriegen.

© Meryem Yavuz _ Film Five GmbH

Der Film behält zusätzlich zum persönlichen und emotionalen Zugang den politischen Kontext im Blick. In ihrer Videobotschaft an das Kurdische Filmfestival Berlin vor dem Screening betont Eren Keskin, dass es nicht allein um ihre Person geht. Dramaturgisch arbeitet Maria Binder Strukturen heraus, die das politische System der Türkei prägen und dort Menschenrechte verletzen. Dieses Unrecht zu beenden treibt Keskin an.

Eren läuft seit dem 5. Oktober 2023 im Kino. Ausgewählte Filme aus dem Programm des Kurdischen Filmfestivals sind noch online zugänglich.

Lea Gronenberg
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