Der König der Löwen – Es lebe das Patriarchat!

Seid gewarnt: Im Folgenden muss ich Der König der Löwen leider entzaubern und das tut mir sogar ein bisschen leid. Aber nein, Simba ist kein niedliches Kätzchen und Der König der Löwen ist auch kein niedlicher Film, sondern patriarchale Propaganda vom Feinsten. Und wer die Eier(stöcke) hat, diese Wahrheit zu ertragen, di_er möge nun weiterleisen.

Vorab: Ich habe den ersten Disneyfilm nicht gesehen. Es geht im Folgenden also nicht um einen Vergleich, sondern lediglich um eine Analyse der aktuellen Verfilmung, die übrigens keine Aussage darüber trifft, ob es sich um eine technisch gelungene beziehungsweise unterhaltsame Inszenierung handelt.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Ein Patriarch, seine verwöhnte Brut und das Privileg des „Hakuna Matata“

Wenn wir den Plot von Der König der Löwen einmal ohne romantische Verklärung betrachten, bleibt im Grunde folgende Geschichte übrig:

___STEADY_PAYWALL___

Der verwöhnte Sohn eines Patriarchen macht „tierisch“ einen auf dicke Hose, obwohl er in seinem Leben echt noch nix geleistet hat, außer sich ein ums andere mal selbst zu überschätzen. Aber er weiß ja ohnehin schon, dass er Papas Machtposition erben wird, komme was da wolle. Deswegen demonstriert er vorsichtshalber schon jetzt einmal seine Überlegenheit und aus jedem daraus resultierenden Schlamassel boxt ihn der Vater erfolgreich heraus – aus fast jedem Schlammassel, denn dann geht Papa Löwe leider bei einer dieser Rettungsaktionen drauf. Und auch wenn der Film das Gegenteil impliziert, ist daran tatsächlich das arrogante Kätzchen ein bisschen mit Schuld, das mal wieder – im wahrsten Sinne das Wortes – das Maul zu weit aufgerissen hat.

Zerfressen von einer – vermeintlich ungerechtfertigten – Schuld, trollt es sich von dannen und beginnt ein neues Leben im Paradies, ohne einen Gedanken an jene zu verschwenden, die es zurückgelassen hat. Nicht einmal die eigene Mutter und beste Freundin sind noch einen besorgten Gedanken wert. Die eigene Mutter! Denkt mal drüber nach!

Individuals from the Literacy Club in the fall of 2006 went to an exhibition of Disney’s The Lion King in the wake of perusing a commented on rendition of Shakespeare’s Hamlet , a play that contains numerous comparable topical components that are additionally present in the catastrophe. So as to show Hamlet in an unexpected manner in comparison to most secondary school English classes, it was shown utilizing its associations with Disney’s The Lion King, an enlivened film with which the students were at that point well-known. Since the secondary school where the program is housed is in Queens, New York, the Literacy Club likewise had the chance to see the Broadway creation of The Lion King in Manhattan toward the finish of the semester. From the absolute first day of the Hamlet/Lion King unit, students were urged to make associations between the characters, subjects and plots of the two works that is why they asked au assignment help to make the full report for them. Also, the Mel Gibson film adaptation of Hamlet was appeared so students could see one more rendering of this incredible catastrophe.
Another perusing methodology that was implanted into a significant number of the Hamlet/Lion King education centered exercises and regarded accommodating by the students included asking them to make an assortment of associations as they read. The Literacy Club coaches underlined the Transactional Theory of Reading (Rosenblatt, 1978) in which the peruser and the content cooperate with each other during the time spent importance making, a procedure during which the peruser is taking a functioning, instead of inactive, position toward the material. Students were instructed about the three most normal printed associations, content to-self, content to-content, and content to-world (Tovani, 2004), and urged to make every one of the three during the perusing of Hamlet. This was done in a few distinct ways over the span of the semester.

Denn „Hakuna Matata“: Reg Dich doch nicht so künstlich auf und genieße einfach das Leben. Wie viele Privilegien in dieser Aussage stecken, bleibt in Der König der Löwen freilich vollkommen unerwähnt. Nur Wesen, denen das Privileg einer tatsächlich sorglosen, weil sicheren Existenz vergönnt ist, können mit diesem Motto durchs Leben gehen. Im Anspruch, ein_e jede_r sollte diesem Beispiel folgen, steckt eine gehörige Portion Ignoranz. Das ist in etwa so, wie wenn weiße Dudes von Feminist_innen fordern, sie sollten sich doch bitte mal locker machen.

Aber der inzwischen zum Mann* herangewachsene Sohn aus gutem Hause vollzieht erfreulicherweise einen Kurswechsel. Nicht aus sich selbst heraus natürlich, sondern durch das Engagement obig erwähnter bester Freundin. In der Gewissheit, beim Gelingen seiner Mission Papas Führungsposition doch noch zu übernehmen, kehrt der feige Abtrünnige in die Heimat zurück, stürzt den fiesen Diktator und wird dafür von seinen Untergebenen bejubelt. Dass er zwischendurch jahrelang fröhlich und sorglos durch den paradiesischen Dschungel getanzt ist, während sein Volk fast den Hungertod starb, interessiert an dieser Stelle niemanden mehr, denn er ist ja schließlich der einzig wahre König. Einfach weil… naja, weil er es halt ist.

Zur Belohnung für seine Mühen (welche waren das noch mal?), darf er eine schöne Frau* heiraten, die ihm dann eine neue privilegierte Brut beschert und damit ist nicht nur die heterosexuelle Ordnung, sondern auch das Patriarchat gesichert. Happy End.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Nala – die wahre (und einzige) Heldin dieser Geschichte

Wo Königssohn Simba bei genauerer Hinsicht eine zutiefst unsympathische Figur darstellt, erobert seine beste Freundin Nala alle Herzen. Nicht nur, dass sie alle (!) Zweikämpfe mit dem ach so heroischen Simba gewinnt, sie ist auch die einzige, die in diesem Film wahren Mut an den Tag legt. Sie flieht unter großer Lebensgefahr aus einer grausamen Diktatur, um ihr Volk zu retten. Damit ist sie die einzige in einer gewaltsam unterdrückten Gesellschaft, die einen revolutionären Akt vollzieht. Warum sie das tut, also heimlich über die Grenze flieht um ausgerechnet Simba aus dem Exil zu holen, bleibt in Anbetracht ihrer mehrfach demonstrierten physischen Überlegenheit ihm gegenüber vollkommen schleierhaft. Sie hätte dem Diktator Scar auch einfach selbst die Stirn bieten können! Der Ruhm gilt am Ende dennoch ausschließlich Simba. Nala bekommt im Finale nur einen einzigen kleinen Heldinnenmoment und darf sich dann in die ihr zustehende Rolle der Hausfrau* und Mutter zurückziehen.

Damit ist ihr allerdings schon weitaus mehr vergönnt als allen anderen Löwinnen dieser Geschichte. Mufasa thront als vollkommener Patriarch über seinem Löwinnenrudel, das wie ein Mutter-Harem lediglich für die Aufzucht des Nachwuchses zuständig ist. Das macht Simba und Nala übrigens zu Halbgeschwistern. Aber sei’s drum. Viel ärgerlicher ist, dass die Löwinnen hier ausschließlich als anonyme Mutti-Gruppe auftreten, die sich bei Scars Machtübernahme hilflos in ihr Schicksal ergibt. Passiver Widerstand ist die einzige Form politischen Engagements, zu dem die Königin im Stande ist. Das wiederum hat keinerlei Realitätsbezug. Doch dazu später mehr.

Wie spannend hätte diese Geschichte also sein können, wenn sie vom Narrativ des einsamen männlichen* Helden abgewichen wäre? Wie wäre es beispielsweise mit einer Version, die nicht Simba, sondern Nala folgt, ihrem Aufwachsen unter Scars Herrschaft, ihrer Entwicklung zu einer mutigen Revolutionärin, der es gelingt, die Unterdrückten zu mobilisieren, den Diktator zu stürzen und eine gleichberechtigte Gesellschaft zu etablieren, in der nicht mehr einer über alle bestimmt, sondern alle miteinander gleichberechtigt ihr Leben als Gemeinschaft gestalten?! Auch die Hyän_innen natürlich, deren Anführerin Nala schließlich ehelicht. Boah, hätte ich diesen gerne Film gesehen.

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Birth Of A Nation in der Savanne

Spätestens jetzt werden einige Leser_innen vor sich hin schimpfen, dass es hier doch um Tiere ginge und sie deshalb nicht nach menschlichen Maßstäben gemessen werden sollten. Was natürlich totaler Schwachsinn ist, denn welche Tiere singen bitte „Hakuna Matata“ während sie durch den Wald laufen?! Insofern können wir die Tiere hier nur als Abbild der Menschen und ihre Gesellschaft nur als Abbild der unsrigen lesen. Und in diesem Kontext führt kein Weg dran vorbei, auch das Thema Rassismus zu adressieren.

Denn im Tierreich sind natürlich verschiedene Rassen vertreten, zum Beispiel Löw_innen und Hyän_innen, die ganz klar in gut und böse unterteilt sind. Wie so oft sind die Hyän_innen Aussätzige, die – durch und durch moralisch verkommen – am Rand der Gesellschaft leben. Warum das so ist? Dafür interessiert sich der Film nicht die Bohne. Es muss wohl in ihrer Natur liegen! Dass die Hyän_innen hier ganz klar aus der Möglichkeit eines friedlichen Zusammenlebens ausgeschlossen werden, erinnert zum Einen an George Orwell („Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher!“) und stellt zum anderen eine rassistische Stereotypisierung da.

Das gilt natürlich auch für die Löw_innen, die allesamt edelmutig und moralisch integer sind – auch das natürlich eine rassistische Zuordnung. Mit Ausnahme von Scar, der glücklicherweise sofort an seinem von der Norm abweichenden Erscheinungsbild zu erkennen ist und für dessen Leidensweg sich der Film genauso wenig interessiert wie für die Geschichte der Hyän_innen.

Unterm Strich ist Der König der Löwen ein bisschen wie ein früher Western, in dem Cowboys mit weißen Hüten wahlweise gegen Cowboys mit schwarzen Hüten oder naturgegeben mordlustige „Indianer“ antreten. Oder wie ein Film, in dem Schwarze Personen nur die Rolle von Verbrecher_innen spielen dürfen. Also quasi Birth Of A Nation in der Savanne. Pädagogisch wertvoll durch und durch!

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Der „Circle of Life“ ist eine Nahrungspyramide

„Die Welt ist so ungerecht. (…) Während die einen in Saus und Braus leben, führen die anderen ein Schattendasein und betteln um die Überreste“, spricht Bösewicht Scar. Und damit muss es sich hier um eine Lüge handeln, denn Bösewichte sagen niemals die Wahrheit. Das Problem: Er hat nicht nur Recht, sondern fasst in diesen Sätzen eines der Hauptprobleme von Der König der Löwen zusammen.

Denn wie der Titel des Films schon verrät, geht es hier mitnichten um eine Demokratie, sondern um eine Monarchie, um ein zutiefst hierarchisches und patriarchales System, an dessen Spitze einige wenige über sehr viele andere herrschen. Dabei ist der Pathos, mit dem der Film die männlichen* Machthabenden feiert, geradezu befremdlich, wissen wir doch inzwischen eigentlich, welche Auswirkungen die gottgleiche Verehrung politischer Führungspersonen in der Regel mit sich bringt. Befremdlich ist auch, dass sowohl Mufasa wie auch Simba von jenen Tieren gefeiert werden, die auf der Speisekarte der Löw_innen stehen. Das ist ein bisschen so, wie wenn Schwarze oder queere Personen Donald Trump wählen. Oder Frauen* die AfD.

Denn eines der größten Verbrechen des Films ist die völlige Unterschlagung der patriarchalen und kapitalistischen Nahrungskette: Die Großen fressen die Kleinen, die Mächtigen die Machtlosen. Der glorreich besungene „Circle of Life“ ist eine Nahrungspyramide, an deren Spitze der königliche Löwe steht. Aber dass Löw_innen andere Tiere töten und fressen, blendet der Film bis auf ein einziges Beispiel vollkommen aus: Scar, der Bösewicht, ist der einzige, der bei der Nahrungsaufnahme gezeigt wird. Als würden sich alle andere Löw_innen von Luft und Liebe ernähren. Der Vorwurf des unverhältnismäßigen Jagens steht in dieser Szene im Raum, doch es muss die Frage formuliert werden, in welchem Verhältnis das Töten anderer Lebewesen denn nun eigentlich legitim sei…

Verschärft wird diese Problematik durch Simbas Ausflug in den Dschungel, wo er lernt, dass Tiere sich untereinander nicht fressen dürfen. Insekten aber sind vollkommen in Ordnung. Der König der Löwen definiert hier sehr klar, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Die Insekten haben im Gegensatz zu den anderen Tieren keine Stimme, keine Persönlichkeit. Sie können einfach so und ohne schlechtes Gewissen konsumiert wären, als wären sie gar nicht lebendig. Auch die Unterteilung in lebenswertes und nicht lebenswertes Leben ist hier Teil der patriarchalen Ordnung: Die wenigen Starken entscheiden über den Wert des Lebens der vielen Schwachen. Was für eine Botschaft!

Am Ende der Geschichte gibt es keinen Diskurs über diese Grenzziehung, nicht einmal einen Dialog dazu, ob der Konsum von Insekten vielleicht in Simbas neuem Königreich als Gesetz etabliert werden sollte. Wir müssen also davon ausgehen, dass die Tiere, die ihm und seinem Nachwuchs im Finale zujubeln, bereits auf seiner Speisekarte stehen. Dass für diese Verhältnisse der Begriff „Circle of Life“ geprägt wurde, ist eine propagandistische Meisterleistung!

© 2019 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Konservative Patriarchatspropaganda

Zusammenfassend ist folgendes festzuhalten: Der König der Löwen verkauft eine hierarchisches System, eine absolute Monarchie gar, als romantisches Ideal. Und nicht nur das: Er schreibt irreführender Weise auch eine patriarchale Logik fort, die selbst im Tierreich nichts zu suchen hat. Tatsächlich sind Löw_innen-Rudel nämlich Matriarchate, in denen – ähnlich wie im Matriarchat der Mosuo – die Männchen* kommen und gehen und nicht jene ultimative Führungsposition übernehmen, die Der König der Löwen propagiert.

Der Film propagiert auch, dass unterschiedliche Gruppen klar in „gut“ und „böse“ sowie in „lebenswert“ und „nicht lebenswert“ unterschieden werden können und dass diese Unterscheidung einer einzigen Person, nämlich dem Herrscher selbst, obliegt. Außerdem müssen sich die Untergebenen für das Leben der Herrschenden aufopfern. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn sich so ein Herrscher von seinen Untertanen ernährt. Derartige Führungspositionen ergeben sich übrigens allein aus der Herkunft, nicht aber aus Qualifikationen. Nicht zuletzt: Nur wer „Hakuna Matata“ aus Überzeugung singt, gehört zu den Coolen.

Das diplomatischste Fazit, zu dem ich mich durchringen kann, ist: Die Geschichte ist schlecht gealtert. Allerdings ergibt sich hieraus umgehend die Frage, weshalb wir sie dann unbedingt noch einmal genau so erzählen mussten. Warum kann es 2019 immer noch nicht Die Königin der Löw_innen geben? Die Glorifizierung von Patriarchat, Alleinherrschaft und biologistisch-rassistischen Ideologien ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wenn diese Geschichte es denn überhaupt jemals wert war, erzählt zu werden: Heute ist sie es definitiv nicht mehr!

Kinostart: 17. Juli 2019

Sophie Charlotte Rieger

Sophie (Charlotte Rieger) ist die Gründerin von FILMLÖWIN und arbeitet als freie Autorin und Speakerin zu den Themen Film und Feminismus.
Sophie Charlotte Rieger

Letzte Artikel von Sophie Charlotte Rieger (Alle anzeigen)