Berlinale 2026: The Loneliest Man in Town – Kurzkritik

The Loneliest Man in Town von Tizza Covi und Rainer Frimmel ist ein uriges kleines Werk. Ganz und gar dem Protagonisten und Bluesmusiker Al Cook (gespielt von Al Cook bzw. Alois Koch selbst) gewidmet, entführt einen der Film in eine fiktive Episode im Leben des betagten Musikers und bringt dabei viel Wiener Charme mit. Al lebt als letzter Mieter in einem Wohnkomplex, der abgerissen werden soll, und harrt inmitten von Memorabilia an Größen des Blues und Rock ‘n‘ Rolls die Schikanen der Hausbesitzer aus bis er die Situation als Chance erkennt und eine Entscheidung trifft. 

© Vento Film

Dass Al Cook (der Echte) kein Schauspieler ist, lässt sich nicht übersehen, doch sein zurückhaltendes und hölzernes Spiel lässt den passenden Platz für die wirklichen Stars des Films: seine farbenfrohen Hemden und kitschiges Dekor, die die Tristesse von Als Leben wunderbar kontrastieren, sowie der Wiener Schmäh der Protagonist*innen, der jede Dialogzeile in ein eigenes, kleines Kunstwerk verwandelt.___STEADY_PAYWALL___ 

Trotz der etablierten Prämisse des Films wird für Al nie wirklich eine große Fallhöhe aufgebaut. Stoisch lässt er jede Konfliktsituation an sich abprallen. Der Film eröffnet damit nur bedingt einen Raum für kritisches Momentum, das eventuell erwartbar gewesen wäre: Gentrifizierung oder Altersarmut werden als Themen gestreift, aber letztendlich als kleine Nebenschauplätze wieder fallengelassen. Für einen Wettbewerbsfilm auf der Berlinale ist The Loneliest Man in Town damit überraschend stark allein von Stil und Witz geprägt, der höchstens für ein kurzweiliges Vergnügen reicht. 

The Loneliest Man in Town läuft im Wettbewerb der 76. Berlinale.

Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

Sophie Brakemeier