Berlinale 2026: At the Sea – Kurzkritik
In At the Sea kehrt Laura Baum (Amy Adams) nach sechs Monaten in einer Entzugseinrichtung zu ihrer Familie zurück. Dem Entzug war ein betrunkener Autounfall vorausgegangen, bei dem auch ihr junger Sohn Felix mit im Auto saß. Während ihr Mann Martin (Murray Bartlett) vor allem erleichtert über die Rückkehr ist, reagiert die Teenager-Tochter Josie (Chloe East) mit Ablehnung und Rebellion.
Der Film von Kata Wéber (Drehbuch) und Kornél Mundruczós (Regie) thematisiert Lauras Schwierigkeit wieder in ihre Mutterrolle zu finden und die Vergangenheit zu bewältigen, während in der Gegenwart kontinuierlich neue Herausforderungen anstehen: Lauras Vater war ein bekannter Leiter einer Tanzkompanie, dessen teils kontrollierende, teils abwesende Art während Lauras Kindheit sie bis heute beschäftigt und in den Beziehungen zu ihren eigenen Kinder immer wieder aufkommt.
Laura führt die Arbeit ihres Vaters fort und muss nun Entscheidungen bezüglich der Zukunft der Tanzkompanie und ihrer eigenen Rolle in dieser abwägen. Dass sie mit der Aufarbeitung ihrer Kindheit beschäftigt ist, ist wenig subtil: regelmäßig gibt es kurze Rückblenden, die sie als Kind zeigen. Überhaupt ist At the Sea kein subtiler Film. Das titelgebende Meer rahmt den Beginn und das Ende des Films, es werden Szenen von Laura als von ihrem Vater alleingelassenes Kind und später als umsorgende Mutter mit ihrem Sohn gegenübergestellt und auch darüber hinaus ist das Meer ein stets präsentes Motiv.___STEADY_PAYWALL___

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At the Sea ist zwar bis in die Nebenrollen prominent gecastet, bleibt aber in der Charakterisierung flach und klischeehaft: z.B. spielt Dan Levy Peter, den schwulen PR-Manager/langjährigen Freund von Laura, der wohl mit seinen bissigen Kommentaren für Auflockerung sorgen soll, aber darüber hinaus keine Tiefe bekommt. Auch insgesamt bleiben die Charaktere in At the Sea eher austauschbare Archetypen, als komplexe Figuren. So ist Lauras Tochter Josie als klischeehafte, mit Sex und Parties rebellierende Teenagerin geschrieben, die sowohl von verschiedenen Männern im Film als auch durch die oft auf ihren Brüsten verweilende Kamera objektifiziert wird und deren Charakter darüber hinaus kaum spezifische Merkmale aufweist.
At the Sea thematisiert Alkohol- und Drogenabhängigkeit und intergenerationelle Traumata in einer weißen, reichen Familie, ohne eine neue oder spezifische Perspektive zu liefern und bleibt in seiner Analyse der porträtierten Menschen oberflächlich. Insbesondere im letzten Drittel neigt der Film zu Kitsch und einem „Ende gut, alles gut”-Vibe, ohne zu substantiellen Ergebnissen zu kommen, so dass offen bleibt, was es ist, das der Film vermitteln möchte.
At the Sea ist Teil des Wettbewerbs der Berlinale 2026.
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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