Romería – Das Tagebuch meiner Mutter – Kurzkritik
Nachdem ihre Eltern bereits früh an AIDS gestorben sind, wächst Marina bei der Familie ihrer Mutter in Katalonien auf. Für ein Stipendium benötigt die inzwischen 18-jährige nun Dokumente über ihre Abstammung väterlicherseits und reist deshalb in dessen Heimat Galicien. Carla Simón verbindet in ihrem Drama Romería die Suche nach familiärer Zugehörigkeit, der eigenen Identität und der Geschichte eines Landes.
In den 1980er Jahren befand sich Spanien im Übergang von der Franco-Diktatur in eine demokratische Gesellschaft. Es war eine Zeit neuer Freiheiten, aber auch Unsicherheiten und Instabilität. Handel und Konsum illegaler Substanzen stiegen massiv an, es kam zu einer Heroinkrise und infolgedessen auch zu einer AIDS-Epidemie. Die Hafenstadt Vigo in Galicien, Spielort von Romería, war einer der zentralen Umschlagplätze für illegal eingeführte Drogen.

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___STEADY_PAYWALL___Geleitet von den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter und durch die Linse ihres Camcorders versucht Marina, sich ein Bild davon zu machen, wie ihre Eltern in dieser Gesellschaft gelebt und geliebt haben. Sie spricht mit Onkeln und Tanten, deren Erinnerungen jedoch durch eigene Emotionen und Wertvorstellungen geprägt sind und mehr Widersprüche als Klarheit bringen. Romería begreift Marinas Reise nicht als eine Suche nach Wahrheit, sondern einen inneren Prozess, den Regisseurin Carla Simón und Kamerafrau Hélène Louvart in eindrucksvolle Bilder übersetzen.
Romería dringt tief in gesellschaftliche und persönliche Verletzungen ein, lässt seine Protagonistin und sein Publikum Gefühle von Sehnsucht, Scham, Freiheit und Verbundenheit intensiv nachfühlen und bietet einen Rahmen aus Fragen, der ihre Verarbeitung strukturiert. Die emotionale Verbindung Carla Simóns, die in ihren Filmen oft persönliche Erfahrungen verarbeitet, ist dabei deutlich spürbar.
Kinostart: 2. April 2026
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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