DOK Leipzig 2026: The Nights – Kurzkritik

La Pichi ist eine Geschichtenerzählerin. Wie Scheherazade füllt sie 1001 Nacht mit Geschichten, La Pichis erzählen vom Leben am Stadtrand von Buenos Aires. Ana Bovino dokumentiert in The Nights einige von ihnen.

Märchenhafte Titel verschiedener Nächte strukturieren The Nights, unterbrechen dabei aber nicht den Redefluss La Pichis. Aus dem Off erzählt sie von ihrem Heranwachsen, ihren Großeltern und Eltern und der Liebe. Es sind Geschichten, die schmerzhaft sein müssten und es wahrscheinlich auch waren – La Pichi aber erzählt ohne Scham und Zögern, sodass sie nur ihre Stärke unterstreichen.

© DOK Leipzig 2026 The Nights, Ana Bovino

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Körperlichkeit zieht sich durch The Nights: Von der Großmutter, die fantastisch kochen kann, aber ihrer Enkelin das Essen versagt, weil sie selbst ein negatives Körperbild hat, über einen Vater, der sie im eigenen Wunsch nach Freiheit und Realitätsflucht zurücklässt, bis hin zu Männern, die nur heimlich ihre Liebe erwidern wollen.

Ana Bovino kontrastiert diese frühen Erfahrungen La Pichis mit Aufnahmen, die sie in ihren Zwanzigern zeigen: im vertrauten Gespräch mit der Mutter, aufgedreht mit Freundinnen bei sich zu Hause und unterwegs im nächtlichen Buenos Aires, tanzend im Club und beim Ausleben ihrer Sexualität.

The Nights demonstriert, welche Kraft darin steckt, die eigene Geschichte zu erzählen. Er feierte Weltpremiere beim DOK Leipzig 2026, wo er im Wettbewerb Internationaler Dokumentarfilm lief.

Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

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