Final Girls Berlin 2026: Hunger, Hysterie, Horror

Vom 4.-8. März 2026 fand die 11. Ausgabe des Final Girls Film Festival im City Kino Wedding in Berlin statt. Auch in diesem Jahr beeindruckten die Organisator*innen das Publikum mit einem exzellenten Programm. Zudem verzeichneten diese das bisher größte Publikum und präsentierten über 70 Kurzfilme, 9 Spielfilme sowie eine Live-Score-Veranstaltung. So viele Filme können in einem Artikel natürlich nicht abgedeckt werden. Im Folgenden schaue ich daher in die Genrevielfalt der Kurzfilmprogramme (Short Blocks), die beim Final Girls in diesem Jahr zu sehen waren. Aber auch die Spielfilme sollen nicht zu kurz kommen: The Virgin of the Quarry Lake von Laura Casabe und Frewaka von Aislinn Clarke nutzen die Vielfalt der Horror-Subgenres, um über das Übernatürliche zu erzählen. 

© Abfab Productions; aus Don’t Try This In The Woods

Horrorgenres der Kurzfilmprogramme

Um Eco-Horror ging es im Kurzfilmprogramm mit Don’t Try This In The Woods von Emma Doxiadi, Época De Plagas von Gabriela Calvache, Into The Stand von Mackenzie Hamilton & Taylor Fuchs, Waste von Paola Teran, Lethal Ethel von Elayna Einish und Dead Weight von Virginia Root. Im Zentrum dieses Subgenres steht nicht das klassische Monster, sondern die Natur selbst als unberechenbare Kraft, die auf menschliches Eingreifen reagiert. Aktueller denn je thematisiert es reale Ängste wie Klimawandel, Umweltzerstörung oder ökologische Katastrophen und übersetzt sie in eine bedrohliche Bildsprache. Erlebter Kontrollverlust stellt die vermeintliche Dominanz des Menschen über die Natur infrage und macht Eco-Horror zu einer ebenso eindringlichen Gegenwarts- wie Zukunftsdiagnose über das Leben auf unserem Planeten.

© Julia Hebner; aus Jeff

In Hôtel Acropole von Sarah Lasry, Spanked By A Ghost von Katelyn Douglass, Martarella von MB Montes, Jeff von Julia Hebner, Itty Bitty Betty von Laura Buchanan und Strawberry Shortcake von Deborah Devyn Chuang steht Psychosexual Horror im Vordergrund. Psychosexual-Horror fokussiert sich vorwiegend auf die innere Zerrissenheit der Figuren, die aus Begierden, Ängsten und verdrängten Trieben entsteht. Dieses Subgenre verbindet psychologischen Horror mit sexuellen Themen und arbeitet mit der engen Verknüpfung von Lust und Angst, wodurch die Grenzen zwischen Anziehung und Bedrohung zunehmend verschwimmen. Themen wie Obsessionen, Eifersucht, Geschlechterrollen, Körperbilder sowie traumatische sexuelle Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt. So hinterfragt das Genre sowohl gesellschaftliche Normen als auch individuelle Identität und wird zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Psyche und Begehren.___STEADY_PAYWALL___

© Helena Haverkamp; aus Hafermann

Die Filme Anticuerpo (Antibody) von Sofia Chizzini & Ludmila Rogel, Hafermann von Helena Haverkamp, Mati Adat von Juliana Reza, Lok von Mahmuda Sultana Rima, Striya von Paige Campbell und Barlebas von Malu Janssen lassen sich dem Folk Horror zuordnen. Folk Horror fokussiert sich auf archaische Ängste, ländliche Isolation und den Einfluss von Traditionen, Mythen und Glaubenssystemen. Horror verschmilzt mit folkloristischen Elementen und arbeitet mit einer bedrohlichen Natur- und Gemeindedarstellung, in der abgelegene Orte, Rituale und alte Bräuche eine zentrale Rolle spielen. Häufig stehen “die Außenseiter” im Mittelpunkt, also die Figuren, die von der modernen Gesellschaft in eine abgeschottete Gemeinschaft geraten, oft als Kulte dargestellt. In diesen Kulten unterscheiden sich Regeln, Moralvorstellungen und Machtstrukturen fundamental von der Außenwelt, wobei Themen wie Aberglaube, religiöser Fanatismus und der Konflikt zwischen Moderne und Tradition verhandelt werden.

© Excesso Filmes; aus If I’m Here It Is By Mystery

Im Kurzfilmprogramm „Queer Horror“ waren If I’m Here It Is By Mystery von Clari Ribeiro, Transvengeance von Kaye Adelaide, The Dysphoria von Kylie Aoibheann, Wall Udder von Alexandra Hayden, Hopepunk von Vasiliki Lazaridou, Bloody Larry von Jillian Cantwell, Fifi La Comete Et Les Cosmic Dancers? von Jasmin Kadjou Jadot, Psilocybin Babies von Sandra Lola Dada und Anniversary_6 von Carmen Perez zu sehen. Queer Horror fokussiert sich auf die Darstellung von Identität und gesellschaftlicher Ausgrenzung aus einer queeren Perspektive. Die Filme verbinden Horror mit Themen wie Diskriminierung, Selbstfindung und dem Leben außerhalb normativer Strukturen. Im Mittelpunkt stehen Figuren, die mit Ablehnung, Angst oder inneren Konflikten im Umgang mit ihrer Identität konfrontiert sind. Dabei werden Zugehörigkeit, Körperlichkeit und soziale Rollen verhandelt. In dieser Sammlung sticht besonders das Motiv von Wut und das bewusste Einnehmen von Raum hervor. Im Zentrum steht dabei eine klare Haltung: „Wir sind nicht zum Spaß hier, wir meinen es ernst.“ Daraus ergibt sich eine starke Revenge-Dynamik, die als Ausdruck von Selbstermächtigung und Widerstand gegen erlebte Unterdrückung gelesen werden kann.

© Filmax

La Virgen De La Tosquera (The Virgin of the Quarry Lake) von Laura Casabe

Natalia (Dolores Oliviero) hofft, dass sie in diesem Sommer ihrem Schwarm Diego (Agustín Sosa) näherkommt. Was zunächst wie eine Sommerromanze beginnt, entwickelt sich jedoch schnell zu einer Auseinandersetzung zwischen ihr und der deutlich älteren Silvia (Fernanda Echevarría). The Virgin of the Quarry Lake von Laura Casabe ist ein Film, der sich mit den Herausforderungen weiblichen Coming-of-Age auseinandersetzt. Natalias Handlungen sind dabei von Eifersucht und Wut, aber auch von gesellschaftlichem Druck und internalisierten Erwartungen geprägt. Übernatürliche Elemente werden gezielt eingesetzt und verweben sich mit Natalias Konflikten in der Beziehung zu Diego und Silvia sowie mit den alltäglichen Problemen einer jungen Frau. Der Film zeigt einerseits den Druck, der auf Natalia lastet, um Diego zu gefallen, inszeniert aber auch die Konkurrenz zwischen weiblichen Figuren um männliche Aufmerksamkeit als zentrales Motiv.

© New Europe Film Sales

Fréwaka von Aislinn Clarke

Fréwaka von Aislinn Clarke ist teilweise auf Englisch, überwiegend jedoch in der irischen Sprache Gaeilge und bietet dadurch ein besonderes Zuschauer*innenerlebnis. Der Film verknüpft psychologischen und Folk-Horror mit einer Erzählung, die stark von intergenerationalem Trauma und Fürsorgearbeit geprägt ist. Im Mittelpunkt stehen zwei weibliche Figuren die Protagonistin Shoo (Clare Monnelly) sowie Peig (Bríd Ní Neachtain), die beide mit ihren traumatischen Vergangenheiten konfrontiert werden. Shoo reist als Pflegekraft in ein abgelegenes Dorf, um sich um Peig zu kümmern. Nach anfänglicher Zurückhaltung zeigen sich zunehmend Überschneidungen zwischen den beiden Frauen. Im Verlauf der Ereignisse im Haus beginnt Shoo, immer stärker an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, und übernimmt nach und nach Peigs Rituale und Obsessionen. Durch die Verschmelzung von Folklore, Mythos und psychologischem Horror werden Unsicherheit, aber auch Widerstandskraft sowie weibliche Solidarität durch eine besondere Erzählperspektive und ein fantasievolles Produktionsdesign eindrücklich herausgearbeitet.

Die 11. Ausgabe des Final Girls Berlin fand im März 2026 statt.