Final Girls Berlin 2026: Interview mit Eli Lewy

Vom 4. bis 8. März 2026 fand die 11. Ausgabe des Final Girls Film Festival im City Kino Wedding in Berlin statt. Das Festival zeigt Horrorfilme, die von Frauen und nicht-binären Filmschaffenden inszeniert, geschrieben oder produziert wurden, und setzt sich dafür ein, Raum für deren Stimmen und Visionen im Horrorgenre zu schaffen. Neben Filmscreenings gehören zum Programm auch zahlreiche Workshops und Vorträge, die während der Festivaltage stattfinden. Für das sorgfältig kuratierte Programm sind FLINTA (ausdrücklich trans-inklusiv) dazu eingeladen, ihre Filme einzureichen. 

Kleine Info für alle, die den Horror-Trope des „Final Girl“ nicht kennen: Es bezeichnet die letzte überlebende Frau in einem Horrorfilm, die dem Monster oder Bösewicht entkommt oder ihn besiegt. Die Festivalorganisator*innen verstehen diese ambivalente Figur als Chance, neue und bislang unentdeckte Machtpositionen für FLINTA und TIN im Horrorgenre sichtbar zu machen, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Somit soll das Potenzial für alternative Erzählweisen hervorgehoben werden, anstatt das Final Girl nur als eine entsexualisierte Figur zu betrachten, die von der moralischen Perspektive männlicher Regisseure geprägt ist.

© New Europe Film Sales; aus Fréwaka

2017 hat FILMLÖWIN erstmals mit Eli Lewy und Sara Neidorf vom Festivalteam gesprochen. 9 Jahre später habe ich mich wieder mit Ihnen in Kontakt gesetzt, um über die Entwicklung des Festivals zu sprechen. Dazu hat sich Eli Lewy freundlicherweise wieder bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten und gemeinsam zu erkunden, was sich in Sachen FLINTA- und TIN-Horror so getan hat.

Isabel: Hallo Eli, wie schön, dass du dir die Zeit nimmst! Dieses Jahr fand bereits die 11. Ausgabe eures Festivals statt – herzlichen Glückwunsch! Welche Veränderungen gab es seit der Gründung 2017?___STEADY_PAYWALL___

Eli Lewy: Als wir anfingen, wussten wir nicht wirklich, was alles dazugehört, ein Festival zu organisieren. Wir wussten nur, dass wir es machen wollten und wir Horrorfilme liebten. Mit der Zeit sind wir gewachsen und haben uns von einem zweitägigen Festival zu einem fünftägigen Festival mit Kurzfilmen, Spielfilmen, Workshops und Vorträgen entwickelt. Ich erinnere mich aber noch gut an unsere erste Ausgabe im z-inema und die Begeisterung, unsere Entdeckungen mit anderen zu teilen. Diese Begeisterung ist immer noch da.

Habt ihr den Eindruck, dass sich die Horrorlandschaft in den letzten Jahren in Bezug auf Diversität und Repräsentation verändert hat? Wenn ja, wie zeigt sich das?

Es besteht kein Zweifel, dass es mehr Vielfalt im Horror-Genre gibt. Wäre unser Festival in den 90er-Jahren oder Anfang der 2000er-Jahre gestartet, hätten wir wahrscheinlich nicht dieselbe große Auswahl an fantastischen Horrorfilmen von FLINTA-Filmemacher*innen wie heute gehabt. Die Zahl der arbeitenden Filmemacher*innen und trans Filmemacher*innen ist immer noch viel zu gering, und es gibt viel zu wenige Filmemacher*innen und trans Filmemacher*innen, die eine lange Filmkarriere haben. Beispielsweise wurden im Jahr 2025 in den USA nur 8 % der Kinofilme von Frauen inszeniert. Große Filmfestivals verbessern sich zwar, wenn es um Geschlechterparität und race geht, doch das führt nicht automatisch zu Vertriebsverträgen und einem Fortbestand der Filme nach dem Festival.

© Logan White / A24; aus If I Had Legs I’d Kick You

Worauf achtet ihr heute bei der Auswahl der Filme für das Programm und hat sich dieser Fokus über die Zeit verändert?

Wenn wir mit der Festivalplanung beginnen, haben wir noch keinen bestimmten Schwerpunkt im Sinn. Der diesjährige Fokus auf Sound beispielsweise ergab sich eher zufällig, und wir haben das begrüßt. Wir wollen von Filmen überrascht und begeistert werden, wir wollen Regisseur*innen mit ihren Stimme und Perspektive sehen, die nicht abgedroschene Klischees wiederkäuen. Über die Jahre haben wir viele Filme gesehen, sowohl im Rahmen des Festivals als auch außerhalb, daher schätzen wir Filme, die sich von anderen unterscheiden und etwas Neues bieten.

Welche Reaktionen oder Diskussionen vom Publikum wünscht ihr euch nach den Screenings?

Ich hoffe, wir haben eine offene und sichere Atmosphäre geschaffen, in der sich Fremde über die Filme austauschen können. Wir sind immer sehr gespannt darauf, wie die Filme bei den Zuschauer*innen ankommen! Jedes Jahr kommen Filmemacher*innen aus aller Welt, und unser Publikum kommt auch mit ihnen ins Gespräch. Alle sind ansprechbar, und genau das gefällt uns.

© The Criterion Collection, aus: Eve’s Bayou

Wenn ihr eure Wunschliste von 2017 anschaut, haben sich diese Wünsche erfüllt? Wenn ja, welche und wenn nein, was muss sich noch ändern?

Das ist eine interessante Frage! Was komplexere, vielschichtige Charaktere angeht, würde ich sagen, dass wir da Fortschritte machen, insbesondere bei der Darstellung von Mutterschaft und Trauer. Was die institutionelle Unterstützung betrifft, so ist sie meiner Meinung nach immer noch unzureichend. Trotz einiger großer Erfolge wie Coralie Fargeats The Substance und Julia Ducournaus Titane fehlt es an Kontinuität. Es kann immer noch mehr Arthouse-Regisseur*innen geben, die Horrorfilme drehen, aber ich denke, es ist wahrscheinlicher denn je, und das ist eine gute Ausgangslage.

Gibt es Projekte, auf die ihr euch in nächster Zeit besonders freut?

Wir freuen uns jedes Jahr auf unsere „Best Of“-Tour, bei der unsere Festivalfilme weltweit gezeigt werden. Außerdem sind wir stets daran interessiert, mit Filmstätten und -projekten in Berlin und Umgebung zusammenzuarbeiten, und wir sind gespannt, was das zweite Jahrzehnt für uns bereithält.

Vielen Dank, und ich wünsche euch viel Erfolg und hoffentlich noch viele weitere tolle Festivaljahre.

Die 11. Ausgabe des Final Girls Berlin fand im März 2026 statt.