Hola Frida – Kurzkritik
Ausgehend von Sophie Fauchers und Cara Carminas Kinderbuch „Frida, c’est moi“ zeichnet das Regie-Duo Karine Vézina und André Kadi im Animationsfilm Hola Frida ein Bild der Kinderjahre der mexikanischen Malerin Frida Kahlo in ihrer Geburtsstadt Coyoacán. Mit einem Mix aus wahren biografischen Eckpunkten und fiktionalen Elementen erzählen Vézina und Kadi über Ableismus, Kahlos Bilderwelten und Mexikos zapotekisches Erbe.
Der Animationsstil von Hola Frida orientiert sich stark an den Motiven und surrealistischen Elementen, die Kahlos Werke auszeichnen: Farbenfrohe Blumen- und Pflanzenwelten, fantastische Tiere, endlose Farbpaletten. Auch Referenzen zu Kahlos bekannten Werken, darunter „The Bed“ oder die roten Bänder aus z. B. in „Self Portrait with Monkey“ und „My Grandparents, My Parents, and I (Family Tree)“, tauchen auf. Kahlos Markenzeichen wie Blumenkränze und Tehuana-Kleider prägen die Filmbilder deutlich.

© eksystent Filmverleih, Tobo Media, Du Coup Studio Production, Maison 43
___STEADY_PAYWALL___Mit diesen Symbolen indigener mexikanischer Identität und von Aktivismus und Selbstermächtigung führt Hola Frida Zuschauende in Fridas Kindheit. Bestimmt durch ein idealisiertes Bild der Kahlo-Familie, zentriert der Film die Zeit in Kahlos Kindheit, als sie im Alter von 6 Jahren an Polio erkrankt. Viele wissen um Kahlos Busunglück als 18-Jährige im Jahr 1925, bei dem sie mehrere Knochenbrüche und schwere Wirbelsäulen- und Beckenverletzungen erlitt. Kahlos Erfahrungen als Mensch mit Behinderung reichen jedoch bis in ihre Kindheit zurück, da ihr rechtes Bein infolge von Polio atrophiert ist. Dies wird in Erzählungen über die Malerin oft weniger sichtbar thematisiert. Hola Frida ist daran interessiert, diese frühen Erlebnisse herauszuarbeiten.
Fridas Erkrankung fällt in die frühe Zeit der Mexikanischen Revolution. Im Mexiko der 1910er Jahre erfährt die 6-Jährige Isolation, Hänseleien durch Schulkamerad*innen und erlebt, in welchen Dimensionen Kinder mit Behinderung von Diskriminierung betroffen sind. Hola Frida verweist durch diese erzählerischen Schwerpunkte darauf, wie Kahlo bereits im Kindesalter mit genau den Themen und Motiven in Berührung kommt, die später ihre Gemälde stark beeinflussen. In ihnen visualisiert sie auch die Gewalt, die ihr bereits als Kind begegnet.

© eksystent Filmverleih, Tobo Media, Du Coup Studio Production, Maison 43
Hola Frida ist darauf bedacht, die verschiedenen Facetten der erwachsenen Kahlo als politische Akteurin, Frau mit Behinderung und radikale Künstlerin einzubeziehen, schöpft auch aus dem Notizbuch der Malerin, das heute noch als wertvolle Quelle ihres Schaffens und Wirkens gilt. Daran anlehnend repräsentieren die Settings des Films verschiedene Formen der Kollision: Der Marktplatz Coyoacáns nimmt die Rolle eines sich entfaltenden Mexikos ein, wo zapotekisches Wissen und Erinnerungen an spanische Kolonisation aufeinandertreffen; das Familienheim ist vertrauter Ort der Zusammenkunft, aber auch der Ort, wo Frida im Zuge ihrer Erkrankung am meisten emotional (heraus-)gefordert wird; in Traumsequenzen erwachen Fridas Bilderwelten, die sie in der Zukunft auf die Leinwände bringen wird, in all ihrer Kreativität opulent zum Leben, dennoch nehmen hier auch ihre größten Ängste Form an.

© eksystent Filmverleih, Tobo Media, Du Coup Studio Production, Maison 43
Hola Frida ist ein optisch üppiger und thematisch umfangreicher, aber niemals überladener Kinderfilm, der durch einen zuvor eher selten verhandelten Teil ihrer Biografie auf die berühmte Malerin schaut. Im Umgang mit seiner Hauptfigur ist er besonders aufmerksam. So nutzt Karine Vézina und André Kadis Animationsfilm die Chance, herauszuarbeiten, wo Grundsteine des Schaffens der Künstlerin liegen könnten und wie diese bereits seit Kindertagen Diskriminierung, mexikanische Identität und politischen Aktivismus navigierte.
Kinostart: 19. März 2026
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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