Drei Gedanken zu: Der Teufel trägt Prada 2

Spoiler für den gesamten Film

Zwanzig Jahre nach der Teufel trägt Prada, begegnen sich Andrea (Andy) Sachs (Anne Hathaway) und Miranda Priestly (Meryl Streep) erneut, als erstere, nachdem sie von einer anderen Zeitung gefeuert wurde, plötzlich eine Stelle bei dem von Miranda geleiteten Modemagazin Runway erhält.. Beide müssen die Beziehung zueinander navigieren und gleichzeitig versuchen, Runway vor dem Verkauf bzw. der Einstellung zu retten. Der Teufel trägt Prada 2 konfrontiert Andy mit neuen Verantwortungen und der Rolle, einer widerwilligen Miranda zu helfen und sich erneut beweisen zu müssen, während diese sich mit ihrem schwindenden Einfluss in einer sich wandelnden Medien- und Modelandschaft auseinandersetzen muss.

© 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved

Die Rettung des Journalismus

Für Andy beginnt Der Teufel trägt Prada 2 turbulent: Sie gewinnt einen journalistischen Preis, wird aber noch während der Award-Zeremonie per Textnachricht von ihrem festen Job als Autorin gefeuert. Der Film etabliert so direkt das Thema im Zentrum des Films: Die Krise des (Print-)Journalismus, die von Jobkürzungen und dem Einstellen von Print-Publikationen geprägt ist. Damit trifft der Film einen Nerv, denn so überschneidet sich Andys Erfahrung mit der von echten US-amerikanischen Kulturjournalist*innen. Außerdem wird schnell ersichtlich, warum es problematisch ist, wenn die Entscheidungsmacht bezüglich einer Publikation bei einer Person allein liegt: Als der Eigentümer von Runway plötzlich verstirbt, übernimmt dessen Sohn die Führung des Medienhauses und erklärt das Magazin kurzerhand für obsolet. Der Film schneidet hier ein durchaus relevantes Thema an, die Lösungen, die Der Teufel trägt Prada 2 aber schlussendlich präsentiert, ändern letztendlich nichts an der tieferliegenden Problematik: Am Ende des Films schafft es Andy, die zurückgezogene Milliardärin Sasha Barnes (Lucy Liu) für Runway (und Miranda Priestly) zu begeistern, sodass diese kurzerhand ihren Ex-Mann Benji Barnes (Justin Theroux) überbietet, der die Publikation für seine neue Freundin Emily (Emily Blunt) sowie um Miranda zu entlassen, kaufen wollte. Es gibt also die gute, wohltätige Milliardärin, die dem selbstoptimierten Silicon-Valley-Milliardär gegenübersteht und deren Großzügigkeit es schlussendlich zu verdanken ist, dass die Publikation Runway weiter existiert und Miranda Priestly ihren Job behält.___STEADY_PAYWALL___

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Klar, Der Teufel trägt Prada 2 muss ein zum Genre und zum generellen Film-Set-up passendes positives Ende finden. Auch, dass der Film kein realitätsgetreues Porträt von der Arbeit als Journalist*in zeigt, ist allein durch das Genre der Hollywood-Mainstream-Komödie gegeben und muss auch nicht der Anspruch sein. Trotzdem macht es sich der Film zum Ziel, wenn nicht die gesamte Branche, jedenfalls die im Zentrum stehende Modezeitschrift Runway zu retten, und präsentiert so eben auch Lösungen, die sich nicht völlig von der Realität trennen lassen. Diese sucht der Film allerdings nicht in der Struktur, sondern es scheint gegeben, dass eine Publikation im Besitz einer reichen Person sein muss. Zudem wirkt es mitunter absurd, dass es bei der Rettung von Runway mindestens genauso um die Rettung von Miranda Priestlys Position in der Zeitschrift geht: Durch den zusätzlichen Fokus auf Mirandas Job wird plötzlich eine enorm privilegierte weiße Frau als hilfsbedürftig dargestellt. In der intrinsischen Logik des Films ergibt dies Sinn, im Nachhinein ist es aber etwas befremdlich, dass Zuschauende darum bangen, ob Miranda ihre toxischen Führungsqualitäten weiter ausbauen darf.

Grade weil der zentrale Konflikt des Films ein so aktuelles Thema ist, fällt es schwer, den angebotenen Lösungsweg als gänzlich fiktional abzutun und ohne mit zynischen Blick auf die Figur der hilfsbereiten Milliardärin als die Retterin des Journalismus zu blicken. Letztendlich hat sie genau wie ihre Vorgänger die alleinige Entscheidungsmacht und wer weiß: Vielleicht geht es dann im dritten Teil darum, dass Sasha Barnes plötzlich doch keine Lust mehr hat, die Zeitschrift zu finanzieren, oder jedes Mal selbst entscheiden möchte, wer auf das nächste Cover kommt.

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Karriere geht nicht ohne Liebe 

Eigentlich ist Der Teufel trägt Prada 2 (und auch der erste Teil) ein Film, in dem der Fokus auf Andys Karriere und auf komplexen platonischen Beziehungen, die sie mit anderen Frauen führt, liegt. Er unterscheidet sich damit von romantischen Komödien, die zwar einen ähnlichen Erzählstil haben, aber in denen der Fokus eben auf dem Liebesleben der meist weiblichen Hauptfigur liegt. Obwohl mit Andys Karriere genügend Erzählstoff geliefert wird, gibt es auch im Sequel einen Erzählstrang, in dem es um Andys Liebesleben geht, sodass sie am Ende des Films (nach zwischenzeitlichem Konflikt) glücklich mit einem Mann verpartnert ist. Dabei ließe sich dieser komplette Handlungsstrang aus dem Film schneiden, ohne dass es besonders auffallen würde und bei Andys Charakterentwicklung etwas fehlen würde. Kurz um: Die Liebesgeschichte ist völlig überflüssig.

Nicht nur bleibt die Beziehung zwischen Andy und Peter (Patrick Brammall) flach, sie nimmt auch Screentime ein, die stattdessen mit den Beziehungen zwischen Andy und ihrer besten Freundin Lily (Tracy Thoms) oder mit der Frenemy-Beziehung zwischen Emily und Andy hätte gefüllt werden können: Lily hätte zu einem eigenständigen Charakter werden können, der nicht ausschließlich durch die Rolle als Andys beste Freundin charakterisiert ist (und den Trope der Schwarzen besten Freundin mindestens tangiert), und die Zerwürfnisse zwischen Emily und Andy hätten mehr Raum erhalten können, sodass sich ihre am Ende des Films beginnende Freundschaft verdienter anfühlt. Stattdessen geht Andy eine Beziehung mit Peter ein, der durch seine Arbeit (er renoviert Wohnungen, von denen Andy eine mietet) und sein Interesse an Andy charakterisiert ist, ohne dass wirklich ersichtlich ist, warum sie selbst in diese Beziehung investiert. Scheinbar sollen Zuschauende es als ganz natürlich empfinden, dass Andy den Wunsch nach einer festen Beziehung hat. Dass weil Andy und ihre berufliche Entwicklung der Fokus sind, es zum Ausgleich auch eine Liebesgeschichte geben muss, wirkt fast wie aus der Zeit gefallen: als ob es so unvorstellbar ist, dass eine Frau ohne (feste) Beziehung und Kinder zufrieden mit ihrem Leben ist. Zwar versucht Der Teufel trägt Prada 2 in vielen Momenten die Handlung und seine Charaktere den heutigen gesellschaftlichen Umständen anzupassen, Andys Beziehung mit Peter wäre aber auch schon 2006 unnötig gewesen.

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Die Monetarisierung von Nostalgie

In den ersten Wochen hat Der Teufel trägt Prada 2 weltweit massenhaft Menschen ins Kino gezogen, somit Millionen eingespielt und ist damit Teil eines anhaltenden Trends: erfolgreiche Filme, die an eine bereits existierende “Marke” anknüpfen. Aus diesem Blickwinkel ist es einfach, den Erfolg von Der Teufel trägt Prada 2 zu erklären, basiert er offensichtlich auf den bereits existierenden Verbindungen, die Zuschauer*innen zu den Charakteren über die Jahre aufgebaut haben. Dass eine Fortsetzung nach so langer Zeit, in diesem Fall nach zwanzig Jahren, erfolgreich ist, ist natürlich keine Garantie. Dennoch liegt nahe, dass sich viele Fans die Fortsetzung anschauen werden – es gibt also ein vorhandenes Publikum, das nur mobilisiert und nicht, wie bei einer neuen Geschichte, erst gefunden werden muss. Das gilt natürlich auch für Roman- oder Videospielverfilmungen und auch Der Teufel trägt Prada basiert auf dem gleichnamigen Roman von 2003. Trotzdem gab es in den letzten Jahren auffällig viele Filme (und auch Serien, wie die unsägliche serielle Neuverfilmung von Harry Potter), die entweder mit dem ursprünglichen Cast eine Fortführung erhalten oder komplett neu verfilmt werden, wie im letzten Jahr The Naked Gun, Freakier Friday oder 28 Years Later. Die Frage nach dem „Warum“ lässt sich leicht beantworten: Es ist logischerweise einfacher, ein Produkt zu verkaufen, für das es schon eine potentziell interessierte Käufer*innenschaft gibt, denn Filme sind in diesem Moment an erster Stelle ein Verkaufsprodukt, eine Marke. Dass dieser Trend zur Neuauflage bisher anhält, liegt aber auch am Erfolg dieser Filme und dem offensichtlich großen Bedürfnis vieler Zuschauenden nach bekannten Charakteren und vertrauten Welten. Dieses Bedürfnis wird gerne mit dem Wunsch nach Eskapismus in einer durch Krisen und Kriege geprägten Zeit erklärt. Obwohl an dieser Erklärung sicherlich etwas dran ist, lässt sich dennoch die Frage aufwerfen, ob bspw. 2006 wirklich ein Jahr ist, das diese Nostalgie verdient und solch ein Heile-Welt-Blick vergangene Krisen verkennt.

Das Bedürfnis nach Vertrautem ist per se nicht problematisch und vermutlich eines, das vielen Menschen bekannt ist. Es ist aber eigentlich etwas, das mit dem erneuten Schauen bereits bekannter Filme gestillt werden kann. Auch wenn Der Teufel trägt Prada 2 eine durchaus solide und unterhaltsame Fortsetzung ist, lässt sich fragen, warum sie überhaupt existieren muss:  Der erste Teil erzählt eine in sich geschlossene Geschichte, deren Fortsetzung nicht unbedingt naheliegend war. Dementsprechend muss der Film es schaffen, neben erfolgreichem Fan-Service durch Referenzen und Easter-Eggs, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen seit 2006 als auch seinen Charakteren gerecht wird. Durch den Fokus auf die Krise innerhalb des (Kultur-)Journalismus in den USA wird dies zwar geleistet – andererseits erweckt insbesondere die Besetzung von Nebencharakteren den Eindruck, es würden oberflächliche Ansprüche an „ Diversität“ erfüllt, ohne marginalisierten Perspektiven ernsthaft Raum zu geben. Neben berechtigter Kritik an der offensichtlich einzig auf Profit ausgelegten Strategie von Sequels, Remakes und Reboots ist das ständige Reproduzieren bereits erzählter Geschichten letztendlich auch einfach langweilig. Obwohl ich insgesamt eine gute Zeit beim Schauen von Der Teufel trägt Prada 2 hatte, bleibt bei mir vor allem die Frage: War das wirklich nötig?

Kinostart: 30. April 2026

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