Was haben wir gelacht
In Was haben wir gelacht wirft das Regie-Team Eva Müller und Isabel Schneider einen Blick auf das deutsche Unterhaltungsfernsehen der 1990er und 2000er Jahre. Damals hießen die Spaßmacher der Nation noch Stefan Raab und Thomas Gottschalk, Ingo Appelt hielt die Tradition des sexistischen Herrenwitzes aufrecht und Harald Schmidt erzählte ungeniert Pol*innenwitze. In Müller und Schneiders Dokumentarfilm reflektieren Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins in Interviews über diese Ära der einschaltquotenreichen TV-Unterhaltung, die oft und immer gerne nach unten getreten hat. Sie sprechen über geringe Sichtbarkeit von Frauen in Shows und auf Comedy-Bühnen und frauen-, queerfeindliche und rassistische Aussagen, denen im Abendprogramm kaum zu entkommen war. Und vor allem darüber – und das macht Was haben wir gelacht zu einer wertvollen Zeitreise in die Archive –, was die von Frauen gewählte Form der Unterhaltung dem Schaffen männlicher Entertainer der Vergangenheit und Gegenwart entgegenzusetzen hatte.___STEADY_PAYWALL___

© BASIS BERLIN Filmproduktion_ZDF_Thomas Lütz
In Einzelinterviews mit den Komikerinnen, Kabarettistinnen, Moderatorinnen und Schauspielerinnen tauchen Müller und Schneider zunächst in die Lebenswege jeder von ihnen ein, angefangen mit der Kindheit und den frühesten Familiengeschichten über die ersten Auftritte bis hin zu den großen Erfolgen in eigenen Fernsehsendungen und Comedy-Programmen. Die Protagonistinnen reagieren während der Interviews auf Clips aus dem Fernseharchiv, darunter Ausschnitte von eigenen Auftritten, die der anderen und auch die der männlichen Kollegen.
Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins bekommen Raum, um auf Stationen ihrer Karrieren (darunter „Nachtschwester Kroymann“, „RTL Samstag Nacht“ und „Alles Nichts Oder?!“) zu reagieren und sie zu kommentieren. Nach und nach ergeben sich so nicht nur umfangreiche Eindrücke der Persönlichkeiten und eine Einordnung ihres Schaffens, Wirkens und ihrer Erfolge, sondern auch, auf welchen Wegen sich die Karrieren der Frauen kreuzten, gegenseitig Einfluss aufeinander nahmen und wie Freundinnenschaften entstanden.

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Denn ihre Arbeit folgt auf eine Zeit, in der Frauen vor allem als Ansagerinnen und Assistentinnen in der Abendshow-Fernsehlandschaft auftauchten. Auf ihr Aussehen reduziert und wie Zirkuspferde von Moderatoren dem Publikum vorgeführt, müssen viele von ihnen sich durch ihre Auftritte durchlächeln, um nicht als Spielverderberinnen zu gelten. Die Frauen, die es schließlich mit eigenen Programmen auf die Bühnen schaffen, treffen auf ein männliches Publikum, das glaubt, sie hätten nichts im Bereich der Unterhaltung verloren. Sie ernten Buh- wie Zwischenrufe, ihnen wird mit Respektlosigkeit und Wut begegnet. Neben Ausschnitten vieler dieser menschlichen Tiefpunkte besticht die Archivauswahl in Was haben wir gelacht aber auch durch Highlights. In ihren selbstgestalteten Programmen und durch selbstentwickelte (Kunst-)Figuren gelingt es den Entertainerinnen, die sogenannten Frauenthemen auf die Fernsehbühnen zu bringen. Sie sprechen durch Comedy, Kabarett und Satire über abstruse Tamponwerbung mit blauer Flüssigkeit, äußern sich politisch zu Abtreibung und Vergewaltigung in der Ehe und thematisieren Gewalt gegen Frauen.
Was haben wir gelacht erlaubt, dank intensiver Archivarbeit, Vergleiche, was sich über die Jahrzehnte in der Unterhaltungsbranche bezüglich der Sichtbarkeit von Frauen in der Fernsehlandschaft getan hat. Gleichzeitig erinnern die gesammelten Fernsehausschnitte auch an das, was nahezu vergessen ist, die damals ausgetragenen Kämpfe aber exemplarisch widerspiegelt: Die Auseinandersetzungen um die Kunstfigur Verona Feldbusch; Böttingers Ansage bei und Konter gegen Schmidt; Gottschalk, der mit von Sinnen auf der „Wetten, dass…?“-Couch über ihr Gewicht spricht und dessen körperliche Übergriffe vor der Kamera so oft passieren, dass sie kaum mehr zählbar sind.

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Müller und Schneider scheuen sich außerdem nicht davor, ihre interviewten Gegenüber herauszufordern. In allen Gesprächen stecken nicht nur Sentimentalität im Blick zurück oder Frustration über die Männerdominanz, sondern auch Momente der Reflexion: Kroymann würde einen Sketch über Feldbusch heute so nicht mehr machen; Schweins ihr Interview bei Schmidt anders geben; Böttinger erkennt den Generationenkonflikt, der die vergangene Arbeit der Komikerinnen heute noch mal anders einordnet. So haben sie damals wie heute den männlichen Kollegen einiges voraus: Denn anstatt es ihren Kolleginnen gleichzutun und Vergangenes zu reflektieren, wärmen diese wie Raab lieber Altbackenes wieder neu auf oder können nicht begreifen, was sie eventuell mal falsch gemacht haben, sondern treten, wie die Causa Gottschalk exemplarisch zeigt, lieber noch einmal nach.
Kinostart: 16. Juli 2026
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