Teenage Sex and Death at Camp Miasma

Jane Schoenbruns dritter Spielfilm Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist ein queerer Slasher und eine Slasherparodie, eine Metaerzählung über die Filmindustrie und eine Geschichte über Verlangen und Selbstfindung. Ein Film, in dem das Blut wie Himbeersaft oder Ketchup aussieht und in absurd hohen Fontänen spritzt, wenn der Killer Little Death (Jack Haven) seine Opfer ersticht. Und in dem die eigentliche Spannung nicht in Slasherszenen, sondern in der Beziehung zwischen der Regisseur*in Kris (Hannah Einbinder) und der ehemals bekannten Schauspielerin Billy Presley (Gillian Anderson) liegt. Kris ist junge Filmemacher*in, die an einer Neuauflage des fiktionalen (und aus heutiger Sicht natürlich problematischen) Slasher-Franchise „Camp Miasma” arbeitet, den sie bereits als Kind gesehen hat und der für Kris mit tiefer emotionaler Bedeutung aufgeladen ist. Für die Neuverfilmung nimmt sie Kontakt zu Billy auf, die, nachdem sie damals als Teenagerin das Final Girl im 1. Teil der Reihe spielte, zurückgezogen und umgeben von Schnee und Wald im Camp Miasma, dem alten Filmset, lebt.

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Von diesem Ausgangspunkt entfaltet sich der Film auf zwei Ebenen, die sich (vermeintlich) in real und fiktional trennen lassen, aber im Laufe des Films immer weiter verschmelzen: Einerseits gibt es die Ebene, in der Kris und Billy eine Beziehung aufbauen und Kris versucht, den geplanten Film an Produzent*innen in LA zu verkaufen, andererseits wird die Handlung immer wieder mit Ausschnitten aus dem ursprünglichen Camp-Miasma-Film unterbrochen. Im Laufe des Films verschmelzen die Ebenen aber immer weiter. Wie auch schon in Schoenbruns Vorgängerfilm I Saw the TV Glow besteht keine klare Trennung zwischen realen und fiktionalen Welten innerhalb der Filme. Passender ist es daher vielleicht zu unterscheiden, dass es eine Ebene des Films gibt, in der vorrangig die (US-amerikanische) Filmindustrie, die Kommerzialisierung von Reboots wie auch Transfeindlichkeit und Misogynie im Horrorgenre referenziert wird und eine, in der es um (Un)Behagen und Körper, Verlangen und Fantasien geht.___STEADY_PAYWALL___

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Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist witzig, campy, merkwürdig und horny, aber gleichzeitig berührend und voller Emotionen, die im Kontrast zur Künstlichkeit und den Überzeichnungen stehen. Das trifft nicht nur auf den Plot an sich, sondern auch auf die Charaktere von Hannah Einbinder und Gillian Anderson zu. Sowohl Kris als auch Billy sind Charaktertypen, die – besonders in Kombination – bei anderen Regisseur*innen und Schauspieler*innen der Gefahr laufen, wie eindimensionale Karikaturen zu wirken: Kris, die queere, woke Regisseur*in, die zu verkopft ist, um Zugang zu ihrer Sexualität zu haben, und Billy, die verführerische Diva mit wohlmöglich zwielichtigen Motiven. Der entscheidende Unterschied ist, dass Schoenbrun zwar mit Humor und satirischen Elementen auf die Figuren und ihre Umstände blickt und mit Klischees spielt (natürlich hat sich Kris akademisch mit queeren Slashern befasst, hängt unglücklich in einer Poly-Konstellation fest und verwendet she/they-Pronomen), die Gefühle und emotionalen Bedürfnisse der Charaktere aber ernst nimmt. So funktioniert vielleicht auch das Meta-Casting von Gillian Anderson: Ihre langjährige Rolle als Dana Scully in der Serie Akte X  ist auch jetzt noch popkulturell präsent und wohl für nicht wenige Momente des queeren Erwachens verantwortlich gewesen. Eine weitere Meta-Parallele ist zudem, dass Anderson im letzten Jahr mit Want ein Buch veröffentlicht hat, für das sie mit einem öffentlichen Aufruf anonymisierte sexuelle Fantasien von Frauen gesammelt hat – im Film ist Billy die Person, mit der Kris erstmals ehrlich über ihre sexuellen Fantasien spricht. Dass das Casting auch für Schoenbrun aufgrund eigener biografischer Verbundenheit mit Akte X und der Faszination für Genrekino mit Bedeutung aufgeladen ist, ist auch kein Geheimnis.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist eng bestückt mit Referenzen und Metamomenten, die entdeckt und interpretiert werden können, aber nicht alle verstanden werden müssen, um bereichert aus dem Film zu gehen. Ein bisschen fühlt sich der Film wie eine „Choose-your-own-adventure“-Geschichte an, nur, dass statt sich für oder gegen eine Seite zu entscheiden, Zuschauer*innen einen oder mehrere Aspekte des Films finden können, die sie ansprechen, berühren und unterhalten. Es gibt so eine Vielzahl an Anknüpfungspunkten, die den Film zugänglich machen und es ermöglichen, mit unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Film zu kommen. Allein der Charakter Little Death und transfeindliche Horrornarrative oder die Verbindung von Queerness, Sex und dem Emotionalisieren fiktionaler Welten bieten Raum für nuancierte Besprechungen.

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Jane Schoenbrun hat eine filmische Handschrift, die neben thematischen Schwerpunkten auch auf der Bildebene erkennbar ist, beispielsweise durch Ähnlichkeiten zu den Ästhetiken und dem Bühnenbild in I Saw the TV Glow. Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist in vielen Szenen extrem stilisiert, genau wie das Blut offensichtlich unecht ist, hat auch die Kulisse nicht den Anspruch, „echt” auszusehen und unterstreicht so das Spiel mit Realität und Fiktion. Vielleicht sind es diese bewusst künstlichen Momente, die die Beziehung zwischen Kris und Billy umso greifbarer und anziehender werden lassen:  zwei Menschen, die sich gegenseitig wirklich erkennen und sehen und deren emotionale und sexuelle Verbindung ein Moment ist, der unabhängig von der Welt um sie herum passiert.

Schoenbrun schafft es in einem riskanten aber beeindruckend erfolgreichen Balanceakt die Kontraste, Elemente und Töne des Films miteinander zu verbinden, sodass sie als Gesamtwerk im Gleichgewicht stehen. Wie es möglich ist, dass das der*dem Regisseur*in so gelingt, reiht sich in die Dinge der kleinen Mysterien ein, die am Ende des Films offenbleiben.

Kinostart: 20. August 2026

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