Practical Magic 2

Leichte Spoiler für das Ende des Films

In Practical Magic 2 (dt. Zauberhafte Schwestern 2) müssen sich die Frauen der Familie Owens erneut dem Fluch stellen, der sie seit Generationen verfolgt: Liebt eine Owens-Frau einen Mann, stirbt dieser. Als Kylie (Joey King) ihrem Freund Gideon (Xolo Maridueña) sagt, dass sie ihn liebt, löst dies genau den Fluch aus, vor dem Sally (Sandra Bullock) ihre Töchter Kylie und Antonia (Maisie Williams) all die Jahre über beschützen wollte, indem sie sie ohne Magie erzogen hat: Gideon wird angefahren und liegt im Koma. Der Film der Regisseurin Susanne Bier ist die Fortsetzung des 1998 erschienenen Films Practical Magic (dt. Zauberhafte Schwestern) und greift die Themen Liebe, familiäre Beziehungen und Verlust erneut auf. Dieses Mal liegt der Fokus neben den Schwestern Sally und Gillian (Nicole Kidman) auf Kylie, die sich kurzerhand nach England aufmacht, um den Fluch endgültig zu beenden und Gideon zu retten.

© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. Alle Rechte vorbehalten

Practical Magic 2 hat einige Plot Holes, einen mitunter merkwürdigen Erzählrhythmus und kommt visuell nicht an die verträumte 90er-Ästhetik des Originals ran. Es ist aber durchaus möglich, das alles auszublenden, da die Chemie zwischen Bullock und Kidman weiterhin stimmig ist und gut mit dem neuen Cast harmoniert. Auch, dass der Film (wie auch der erste Teil) auf einer literarischen Vorlage der Autorin Alice Hoffman beruht, hebt ihn etwas von anderen Sequels ab, in denen die Handlung der Fortführung eher aus der Luft gegriffen ist. Es ist allerdings genau der Umgang mit der Romanvorlage, der bei näherer Betrachtung einen fahlen Beigeschmack hinterlässt: Im Buch gibt es mehrere explizit queer markierte Charaktere, zu denen auch Sallys Tochter Antonia zählt. In Practical Magic 2 sind allerdings keine Überbleibsel dieser Queerness zu finden. In der Romanvorlage ist Antonia die ältere von Sallys Töchtern, schwanger und lesbisch. Im Film ist Kylie die ältere Schwester und diejenige – und das hat Practical Magic 2 mit seiner Buchvorlage dann doch gemeinsam – die aufgrund ihrer Liebe zu einem Mann den Fluch beenden will. Antonias Charakterisierung bleibt in der Fortsetzung insgesamt spärlich, sie ist aber weder schwanger noch gibt es wirkliche Hinweise darauf, dass sie queer ist. Dass bei einer Adaption bestimmte Aspekte und Handlungsstränge angepasst werden, versteht sich von selbst; das Auslassen jeglicher Queerness lässt sich aber nicht mit derartigen Argumenten wegerklären.___STEADY_PAYWALL___

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Selbst bei Außerachtlassen der Romanvorlage ist Practical Magic 2 fast absurd heterosexuell, allein weil Hexen und Magie seit jeher eng mit Queerness verknüpft sind. Das gilt auch schon für den ersten Teil, der es als natürlich darstellt, dass zwischen Frauen nur familiäre Liebe existiert und romantische Liebe einzig in Beziehungen mit Männern zu finden ist. Der Film von 1998 ermöglicht es aber durchaus, einige Aspekte mit queerem Blick zu sehen und die der Prämisse inhärente Zwangsheterosexualität zu entlarven. Das Fehlen von queeren Charakteren im ersten Teil lässt sich aber eben auch damit erklären, dass diese überhaupt selten in Mainstreamproduktionen der 90er zu finden waren. Im Gegensatz dazu ließ sich in den letzten ca. 10-15 Jahren ein Anstieg medialer queerer Sichtbarkeit und eine Normalisierung dieser wahrnehmen – auch wenn letztere oft mit heteronormativen oder performativen Darstellungen einherging. Allerdings scheint sich der Trend aktuell wieder in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen: Laut der diesjährigen GLAAD-Studie zu LGBTQ*-Repräsentation im Film gab es in den letzten drei Jahren immer weniger queere Charaktere in US-amerikanischen Produktionen. Trotz dieses Trends und der aktuellen rechtskonservativen Politiken in (unter anderem) den USA sind der kulturelle Kontext und Referenzrahmen, in dem Practical Magic 2 erscheint, nicht mit dem der 90er zu vergleichen. Umso frustrierender ist es, dass entweder im Produktions- oder Autor*innenteam so wenig kulturelles Verständnis vorhanden war, dass das Weglassen von Queerness in der Erzählung nicht als ein weiteres Anbiedern an rechte Strömungen erkannt wurde, oder dass letzteres eben eine bewusste politische Entscheidung war, um den Forderungen von Produktionsfirmen folge zu leisten, die ein möglichst breites Publikum ansprechen und keine Einnahmen aufgrund „woker“ Inhalte einbußen wollen.

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Unklar ist bisher, ob Antonia im Drehbuch nie explizit lesbisch war oder entsprechende Szenen rausgeschnitten wurden. Bei der Hochzeit in den finalen Momenten des Films fängt Antonia den Brautstrauß und es gibt eine (vermutlich weibliche) junge Person unter den Gäst*innen, die ohne erkennbaren Grund kurz mehrfach so gezeigt wird, wie es potenzielle romantische Partner*innen manchmal werden. Mit sehr viel (!) gutem Willen zur Interpretation eines queeren Subtexts lassen sich die Filmbilder so deuten, als würde hier auf Antonias romantische Zukunft verwiesen. Unabhängig davon, warum genau Practical Magic 2 so heterosexuell ist, hätten queere Charaktere vermutlich auch nicht viel an den strukturellen Problemen des Films ändern können. Trotzdem macht es mehr Spaß, sich über eher öde Queerness in mittelmäßigen Hollywood-Filmen zu beschweren, als über die Implikationen des Verschwindens dieser nachzudenken.

Kinostart: 10. September 2026

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