Berlinale 2026: River Dreams – Kurzkritik
Mit River Dreams legt die kasachische Regisseurin Kristina Mikhailova ein beeindruckendes Langfilmdebüt vor. Der Dokumentarfilm verwebt die Situation kasachischer Frauen in einer Gesellschaft, zerrissen zwischen dem Erbe des sowjetischen Kolonialismus und dem Streben nach einer eigenen nationalen Identität, mit der ausführlichen Formulierung von Naturmetaphern.
Die Flussträume der interviewten Frauen stellen sich als Reflexionen in einer Lebensrealität dar, in der Misogynie aber auch Schwesternschaft eine prägende Rolle spielen. Gerahmt werden diese Interviews mit kurzen Einblicken in die kasachische Gesellschaft: männlich geprägte Orte, islamische Schulen, in denen Mädchen Anstand und religiöse Moral lernen, Umweltverschmutzung, aber auch Möglichkeiten, feministischen Protests und künstlerischer Entfaltung. River Dreams funktioniert passend zu seinem Titel als visueller stream of consciousness, der keinen Anspruch auf Objektivität oder ambivalente Perspektivität vermitteln will, sondern dezidiert feministisch Stellung bezieht.___STEADY_PAYWALL___

© 24 FPS
Die Protagonistinnen zeichnen mit ihrem Gesagten ein spannendes Kaleidoskop von Hoffnungen, Analysen und radikalen Wünschen für ihre Zukunft: während die eine sich wünscht, in die Türkei auszuwandern, sehnt sich die andere nach einem dekolonialisierten Kasachstan und eine weitere sieht ihr Glück in einer kompletten Auslöschung aller Männer.
Eingerahmt von atemberaubenden Naturaufnahmen präsentiert Kristina Mikhailova ein feministisches Manifest mit einer universellen Botschaft über das Leben in einer patriarchalen Welt.
River Dreams ist in der Sektion Forum bei der Berlinale 2026 zu sehen.
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
- Berlinale 2026: The Loneliest Man in Town – Kurzkritik - 20. Februar 2026
- Berlinale 2026: Im Umkreis des Paradieses – Kurzkritik - 19. Februar 2026
- Berlinale 2026: Etwas ganz Besonderes - 19. Februar 2026




