FFMOP 2026: Run me wild – Kurzkritik

Toni (Luna Jordan) befindet sich in einer Umbruchphase: Sie beginnt als Erste ihrer Familie ein Studium, verliebt sich und setzt sich so wird zumindest angedeutet mit der eigenen Körperlichkeit und Identität auseinander. Begleitet, durchbrochen und erschwert wird diese Coming-of-Age-Geschichte durch einen sexuellen Übergriff. Catharina Lotts Langfilmdebüt Run me wild läuft beim 47. Filmfestival Max Ophüls Preis im Wettbewerb Spielfilm.

© Lea Dähne

Während der Übergriff selbst nicht zur Schau gestellt wird, zeigt Run me wild umso deutlicher seine Nachwirkungen. Toni ist nicht dazu bereit, sich damit auseinanderzusetzen, lenkt sich durch Arbeit in der Gärtnerei ihrer Eltern ab, versucht, durch exzessive Gym-Sessions Kontrolle über den eigenen Körper und Emotionen zu gewinnen. Die Unfähigkeit, das Erlebte in Worte zu fassen und auszusprechen, führt zu einer Distanzierung von den Eltern und hemmt den Aufbau neuer Beziehungen zu Kommiliton*innen und auch zu Anna (Renée Gerschke).___STEADY_PAYWALL___

Anna ist draufgängerisch, sie testet und überschreitet Grenzen, die Toni gerade erst neu definieren muss. Geradezu beiläufig führt Run me wild die Bedeutung von Konsens und emotionaler Sicherheit ein. Schmerz und Kontrollverlust sind in einer Situation beängstigend und gefährlich, können unter anderen Umständen aber auch lustvoll empfunden werden.

© Lea Dähne

Run me wild lässt sich vollständig auf das Innenleben seiner Hauptfigur ein. Catharina Lott übersetzt unterbewusste Prozesse die Unmöglichkeit, das Erlebte zu verdrängen, und die Unfähigkeit, es in Worte zu fassen, das Unbehagen im eigenen Körper, der Versuch, einfach weiterzumachen, die Überwältigung durch heftige Emotionen in eine eindrückliche Atmosphäre. Luna Jordan verkörpert die Bandbreite von Tonis Gefühlen aus Trauer, Wut, Ekel, Liebe, Lust überzeugend, zeigt Stärke ebenso wie Verletzlichkeit und schafft damit ein komplexes Bild Überlebender sexueller Gewalt.

Run me wild läuft beim 47. Filmfestival Max Ophüls Preis im Wettbewerb Spielfilm.

Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

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