Bon Voyage – Kurzkritik
Die 80-jährige Marie (Hélène Vincent) hat Krebs im Endstadium. Bereits Jahre zuvor hat sie eine Brustkrebserkrankung durchgestanden, inzwischen ist für Marie eine erneute Behandlung aber keine Option mehr. Um ihr Lebensende selbstbestimmt zu gestalten, hat sie sich für einen assistierten Suizid in der Schweiz entschieden. Enya Baroux‘ Tragikomödie Bon Voyage folgt der Hauptfigur auf ihrer letzten Reise.

© Bonne Pioche Cinéma – Carnaval Production – Zinc
Pfleger Rudy ist die einzige Person aus Maries privatem Umfeld, die in ihre Entscheidung eingeweiht ist. Durch eine Verkettung sich überschlagender Ereignisse unterschreibt er anstelle von Maries Sohn Bruno die nötigen Formulare für Verwandte beim Arzt. Jetzt bleibt nur noch offen, wie Marie denn überhaupt nach Zürich kommen und wie sie Bruno und Enkelin Anna den Grund ihrer Reise erklären soll.___STEADY_PAYWALL___
Nachdem Marie der Mut verlässt, ihrer Familie von ihrer Entscheidung zu erzählen und sie eine Lüge als Grund ihrer Reise vorschiebt, finden sich die drei Familienmitglieder und der überrumpelte Pfleger kurzerhand in einem alten Wohnmobil wieder. Auf engstem Raum und mit Rudys Hausratte Lennon im Schlepptau fahren sie von Frankreich gen Schweiz.

© Bonne Pioche Cinéma – Carnaval Production – Zinc
Baroux‘ Langfilmdebüt setzt auf das für das Genre Roadmovie beliebte Konstrukt einer dysfunktionalen Reisetruppe. So entwickelt die Regisseurin Maries Reise zwischen Familienzwist und Näherkommen entlang vertrauter Figuren und ihrer Eigenarten: der chaotische Neuling, der überforderte Sohn, die angespannte Enkelin.
Was folgt, ist eine Erzählung, die melancholisch, aber nie melodramatisch auf Familiendynamiken schaut, in denen so manche*r Geheimnisse hat. Die Regisseurin entscheidet sich, jeder Figur gleichmäßig Raum zu geben und ihnen nicht wertend zu begegnen. Annäherungen geschehen nach und nach durch gemeinsame Erlebnisse und intensive Gespräche.

© Bonne Pioche Cinéma – Carnaval Production – Zinc
Bon Voyage besticht vor allem durch seine Haltung, Maries selbstbestimmte Entscheidung eines assistierten Suizids nicht zu bewerten oder infrage zu stellen. Es ist nicht Marie, die sich den Gefühlen oder Bedenken anderer beugen muss, sondern Zuschauer*innen beobachten Wege, wie ihre Entscheidung akzeptiert und unterstützt wird. Hauptdarstellerin Vincent verleiht dabei ihrer Figur gleichermaßen Wehmut und Glückseligkeit.
Bon Voyage erzählt davon, wie wir uns anderen mitteilen, wie wir Mut fassen, über Dinge zu sprechen, die schwerfallen. Vor allem mit Personen, die uns ganz besonders am Herzen liegen. Ein Film über familiäres Miteinander, die Schwere des Abschieds und Respekt gegenüber denen, die selbstbestimmt gehen.
Kinostart: 1. Januar 2026
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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