Berlinale 2026: What Will I Become? – Kurzkritik
CN: Suizid
In seinem Dokumentarfilm What Will I Become? zentriert das Regie-Duo Lexie Bean und Logan Rozos die Biographien von Blake Brockington und Kyler Prescott, die 2015 durch Suizid starben. Ausgangslage des Dokumentarfilms ist eine Studie der American Academy of Pediatrics, die aufzeigt, dass mehr als 50 % junger trans Männer und trans Jungen in den USA von Suizidgedanken betroffen sind.
Der Dokumentarfilm nutzt eine vielseitige Materialsammlung, um aufzudecken, durch welche Prozesse in Politik und Gesellschaft trans Menschen marginalisiert, verfolgt und kriminalisiert werden. Mit Ausschnitten aus Nachrichten-Archivmaterial zeigt What Will I Become? wie Gesetze zur Einschränkung von trans Rechten in den USA erlassen wurden und wie sich auch in anderen Teilen der Welt Transfeindlichkeit in der Politik verschärft. In Gesprächen mit Eltern und Vertrauten von Brockington und Prescott zeichnet sich ein Bild, wie Mobbing und Ausschluss aus alltäglichen Dingen (z. B. aus Sportmannschaften und dem Schulalltag) die beiden Verstorbenen jahrelang verfolgt und ihre Leben zerschlagen haben. Einblendungen von Social-Media-Hasskommentaren sparen Bean und Rozos nicht aus.___STEADY_PAYWALL___

© Deep Dive Films
Interessant ist an What Will I Become? auch, dass und wie Bean und Rozos ihre eigenen Lebenserfahrungen als trans Menschen mit dem Gezeigten verweben. Unter einer Deckenburg, die wie eine Art Kokon einen unaufgeregten wie geschützten Rahmen bietet, sprechen sie miteinander über die intimsten Gedanken und Gefühle. Sie besprechen Ängste und Sorgen, aber auch Bewältigungsstrategien und geben Einblicke, wie Brockingtons und Prescotts Geschichten sie als Künstler*innen und Filmschaffende geformt haben und weiterhin beeinflussen. Es sind Gespräche, die durch Intensität beeindrucken und durch ungewohnte Offenheit aus dem Regiestuhl auffallen.
What Will I Become? ist ein visuell auffälliger Film. Rozos bezeichnet sich selbst als „Tumblr Kid“, Rozos bezeichnet sich selbst als „Tumblr Kid“, war Teil einer Online-Community, in der auch Brockington viel gewirkt hat. Die Multimedia-Aspekte der Blogging-Plattform schreiben er und Bean – ebenfalls seit mehreren Jahren mit der Kunstform Multimedia vertraut – auch in ihrer Doku fort. Der Film stellt Brockingtons Tumblr-Einträge nach, Prescotts Gedichte tauchen als illustrierte Textzeilen auf der Leinwand auf und sind teilweise als Musikstücke neu inszeniert. Papiermodelle und Animationsszenen dienen als weitere Erzählmethoden. Außerdem bindet der Dokumentarfilm ältere Interviews mit Brockington aus dem Archiv ein.

© Deep Dive Films
Es ist den Filmschaffenden vor allem ein Anliegen, die hohen Zahlen von Suiziden bei jungen trans Männern und Jungen ebenso wie die Praxis zur Prävention hervorzuheben. Entsprechend zeichnet Bean und Rozos‘ Film ein umfangreiches Bild, wie Brockingtons und Prescotts Suizide bei Familien, Mitstreiter*innen, Vertrauten und anderen aus der trans Community nachwirken. What Will I Become? ist ein sensibles wie berührendes Aufmerksammachen auf Verletzlichkeit und die Wichtigkeit des Rechts auf Selbstbestimmung.
What Will I Become? war Teil der Sektion Generation bei der Berlinale 2026.
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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