The Bride! – Kurzkritik
In ihrer zweiten Spielfilm-Regiearbeit The Bride! beschäftigt sich Maggie Gyllenhaal mit dem „Frankenstein“-Stoff von Mary Shelley: Im Zentrum steht die Figur der Frankensteins Braut, die im Roman von 1818 noch leblos bleibt und in James Whales Frankensteins Braut von 1935 erstmals zum Leben erweckt wird. Gyllenhaal versetzt den Handlungsstrang des Originals, in dem Frankensteins Monster nach einer Gefährtin verlangt, ins Chicago der 1930er. Das Ergebnis ist eine Erzählung in der Erzählung: Gyllenhaals Film eröffnet mit einer Rahmenhandlung, in der Mary Shelley das Publikum wissen lässt, dass sie mit den nun folgenden Geschehnissen in The Bride! genau die Geschichte teilt, die sie 1818 nicht in Romanform umsetzen konnte, und jetzt die eigentliche Hauptfigur im Mittelpunkt steht. „Here comes the motherfucking Bride!“, so die Devise.
The Bride! ist durchaus opulent: die Kostüme von Sandy Powell und die Musik von Hildur Guðnadóttir sind markant, das Maskenbild und die Choreografien runden einen visuell auffälligen Film ab. Alles ist ein bisschen Cabaret meets Punk, Stepptanz meets physisches Theater, Jessie Buckley und Christian Bale muten irgendwo zwischen Harley Quinn & Joker und Jean Harlow & William Powell an.___STEADY_PAYWALL___

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“I would prefer not to”, ist das Motto der wiederauferstandenen Bride. Sie ist nicht einfach so bereit, das zu tun, was von ihr erwartet wird, will ihr eigener Mensch sein. Die Bride hat eigenständige Gedanken und Wünsche, anders als Victor Frankensteins Monster muss sie nicht erst sprechen lernen und Wissen sammeln. Der Grundstein für die Emanzipation von der Schöpferin (das Pendant zu Dr. Prätorius, der die Bride im Film von 1935 zum Leben erweckt, wird in The Bride! von Annette Bening verkörpert) und dem Monster ist also gelegt, um die bisher unbekannte Geschichte der Bride zu zentrieren.

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Denn aus diesem Akt der Verweigerung der Hauptfigur entsteht für Gyllenhaal eine Fülle an Möglichkeiten, um genau diese versprochene andere Geschichte zu erzählen: eine Abgrenzung von überfürsorglichen Eltern und den Besitzansprüchen des monströsen Mannes, hin zu einem revolutionären Selbstfindungstrip in einer von Gewalt gegen Frauen bestimmten Gesellschaft. Schließlich besticht auch schon Shelleys Roman durch extrem komplexe Dynamiken um Missbrauch, Elternschaft und körperliche Selbstbestimmung, die auch Gyllenhaals Film hätte aufgreifen können. The Bride! sträubt sich aber überraschend gegen all diese möglichen Erzählstränge.
Gyllenhaal hat sich nämlich – und das durchaus enttäuschend – dazu entschieden, The Bride! als Liebesgeschichte zu inszenieren: ein Bonnie und Clyde der Auferstandenen. Und so kommt es, dass The Bride! nicht nur das zu Beginn angekündigte Vorhaben, alleine von der Bride zu erzählen, nicht ganz einlösen kann, sondern auch, dass Frankensteins Monster in etwa genauso oft wie die Titelfigur auf der Leinwand zu sehen ist. Und sogar noch als Retter in der Not auftritt, der die Bühne für sich einnimmt, anstatt im Hintergrund zu verschwinden.

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Und dann ist da ja doch noch eine andere Schöpferin, von der die Bride sich doch nicht loslösen kann: Erzählerin Mary Shelley taucht in einer verzwickten, nahezu konfusen Beziehung zur Bride auf, ist sowohl Gesprächspartnerin als auch besitzergreifende Stimme im Kopf, eine Art Spielerin, die bestimmt, in welchen Bahnen sich ihre Figur bewegt. Trotz dieser diffusen, sicherlich sogar unlogischen Erzählebene regt The Bride! aber erfreulicherweise dennoch zu einem vorwärtsgewandten Umgang mit Shelleys Stoff an. Denn dessen Grundprämisse über Zeugung und Geburt lädt auch zu Gedanken über weibliche Revolution ein.
Kinostart: 5. März 2026
Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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