Emma.

Jane Austens Emma gilt als zeitlose romantische Komödie. Die Geschichte der privilegierten, schönen Frau, die als Zeitvertreib Menschen miteinander verkuppelt, selbst jedoch Single ist, wurde bereits vielfach verfilmt. Neben eher klassischen Adaptionen beruhen auch die Highschool-Komödie Clueless (1995) und der Bollywoodfilm Aisha (2010) auf dem Roman aus dem Jahr 1815.

© Universal Pictures

Nun wagt Autumn de Wilde mit einer weiteren Verfilmung ihr Kinodebüt. Die Regisseurin strebt bewusst keine Modernisierung des Stoffs an. Das Drehbuch orientiert sich stark am Originaltext. Die poppige Ausstattung, die eher phantastisch wirkt und in ihrer Üppigkeit an Filme wie Grand Budapest Hotel oder Marie Antoinette erinnert, begründet die Regisseurin mit historischer Genauigkeit: Bunte Farben seien Anfang des 19. Jahrhunderts ein Ausdruck von Reichtum gewesen. Dennoch steht diese gefühlt moderne Optik in einem interessanten Kontrast zur Sprache Jane Austens und verleiht der alten Geschichte einen neuen Anstrich.

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Emma. erweckt insgesamt den Eindruck eines Kostümfilms, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Die Schrulligkeit von Mr. Woodhouse (Bill Nighy), die überzogene Mimik von Harriet Smith (Mia Goth) oder die Einfältigkeit von Miss Bates (Miranda Hart) werden schnell zum Running Gag, eine tiefergehende Entwicklung der Charaktere bleibt dabei leider auf der Strecke. Die Titelfigur Emma (Anya Taylor-Joy) durchläuft als einzige eine charakterliche Entwicklung, bleibt im Wesentlichen jedoch auf die bereits im Vorspann festgeschriebenen Attribute “hübsch, klug und reich” festgelegt. Es ist schwer, einen Zugang zu ihr zu finden, geschweige denn Sympathie für sie zu entwickeln. Bei ihren Kupplungsversuchen verhält sie sich manipulativ, ihr Umgang mit anderen ist überheblich.

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An dieser Stelle kommt die Frage auf, wie zeitlos Emma. wirklich ist. In der Gesellschaft Jane Austens bestand die Notwendigkeit einer Heirat für Frauen, um ihren sozialen Status zu sichern. In diesem historischen Kontext sind Emmas Bemühungen, Paare zusammenzubringen, tatsächlich eine wichtige Unterstützung der Frauen in ihrem Umfeld. Hinter ihrer Kuppelei stecken also gute Intentionen, die über das eigene Amüsement hinausgehen. Da dieser geschichtliche Hintergrund nicht ausreichend thematisiert wird, verliert Emma. seinen gesellschaftspolitischen Kern. Eine alleinstehende Frau ist heute kein Stoff für ein Drama mehr, auch wenn die romantische Heterobeziehung z.B. im Genre der Romantic Comedy weiterhin als oberstes Lebensziel propagiert wird.

Eine weitere Szene, deren Modernisierung wünschenswert gewesen wäre,  ist ein für den Handlungsverlauf durchaus relevanter Überfall auf Harriet. Hier übernimmt de Wilde völlig unreflektiert den gregorianischen Antiziganismus des Originaltextes.

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Jenseits der Erwartung eines Dramas oder doch zumindest einer Tragikomödie kann der Film als romantische Komödie über die Freundinnenschaft zwischen Emma und Harriet und die Romanze zwischen Emma und George Knightley (Johnny Flynn) unterhalten. Autumn de Wilde kreiert darüber hinaus eine ansprechende und spannende Bilderwelt. Es gelingt ihr jedoch nicht die scharfe, fast schon zynische Betrachtung der Lebensrealität junger Frauen aus der gehobenen Gesellschaft, welche Jane Austens Werk auszeichnet, in die Gegenwart zu übersetzen. Obwohl eine Modernisierung nicht de Wildes Anspruch ist, wäre diese Übersetzung notwendig, um den Kern der Geschichte zu treffen und Emma. zeitgenössische Relevanz zu verleihen.

Kinostart: 5. März 2020

Lea Gronenberg