Berlinale 2026: Only Rebels Win

In Only Rebels Win bringt eine Zufallsbegegnung die Witwe Suzanne (Hiam Abbass) mit dem vierzig Jahre jüngeren Osmane (Amine Benrachid) in den Straßen Beiruts zusammen. Für beide unerwartet entsteht fast umgehend ein tiefes romantisches Band zwischen ihnen. Doch nicht nur der Altersunterschied macht diese Liebe für das Umfeld zu einem Skandal: Suzanne ist eine im Libanon lebende Palästinenserin, Osmane aus dem Süd Sudan geflüchtet und als Schwarze Person von rassistischer Diskriminierung und Gewalt betroffen.___STEADY_PAYWALL___

Es sind also vor allem ihre unterschiedlichen Positionen im gesellschaftlichen Machtgefälle, die in erster Linie in Suzannes Umfeld auf Unverständnis, Misstrauen und offene Diskriminierung stoßen. Lange sind Suzanne und Osmane davon überzeugt, dass sie diese Stimmen aus dem Außen ignorieren können und übersehen dabei, dass auch ihre Liebe Machtdynamiken unterworfen ist.

Eigentlich wollte Regisseurin Danielle Arbid vor Ort im Libanon drehen, musste diesen Plan jedoch aufgrund israelischer Luftangriffe auf das Land ad acta legen und entschied sich dafür, Straßenszenen vor Ort aufnehmen und in Frankreich im Studio projizieren zu lassen. Einen Hinweis auf die Arbeitsweise gibt sie dem Publikum direkt zu Beginn als Untertitelung, wobei unklar bleibt, ob dies mehr als politische Stellungnahme oder Vorwegnahme möglicher Kritik an der für manche wohl ungewohnten Ästhetik fungieren soll. 

© Easy Riders Films

Tatsächlich entwickelt Only Rebels Win gerade durch die fehlende Tiefe der Hintergründe eine kulissenhafte Ästhetik, die die Geschichte gerade genug aus dem Raum des Realistischen herausnimmt, um auf ihre Allgemeingültigkeit zu verweisen. Die vermutlich ebenfalls in diesen technischen Rahmenbedingungen begründete reduzierte Auswahl an Spielorten – ein Großteil der Szenen spielt in Innenräumen wie Suzannes Wohnung – weckt Assoziationen zum häuslichen Melodrama der 50er Jahre. Die Liebe über gesellschaftliche Grenzen hinweg und der darin wurzelnde Konflikt einer Mutter mit den eigenen Kindern verweisen auf einen absoluten Klassiker des Genres: All that Heaven Allows von Douglas Sirk.

Wenn die anfängliche, mit Musik entsprechend ausgeschmückte Phase der innigen Verliebtheit für die Protagonist*innen endet, sind wir als Zuschauer*innen betrübt – so schön war es, dieser zärtlichen Beziehungsanbahnung beizuwohnen. Doch Only Rebels Win ist kein Liebesfilm und sobald Regisseurin Arbid die Machtdynamiken zwischen den Liebenden immer deutlicher hervortreten lässt, ahnen wir im Publikum bereits, dass diese Geschichte eine unerwartete Wendung nehmen wird. 

Danielle Arbid verzichtet dabei darauf, die wachsenden Konflikte zwischen Suzanne und Osame explizit zu erklären und überlässt es der Sensibilität der Zuschauenden, die wachsende Distanz zwischen ihnen zu erspüren und zu ergründen. Bei all dem verzichtet sie auf eine gezielte Rührung des Publikums. Indem sie uns keine konkreten Gefühle aufzwingt, gibt sie Raum für eigene. Was spüre ich, wenn ich in diese Geschichte eintauche? Welche Gedanken bahnen sich ihren Weg in mein Bewusstsein? Die Entwicklung welcher Figur kann ich leichter oder schwerer nachvollziehen und weshalb?

Und schließlich die vielleicht schmerzhafteste Frage: Welche Rolle spielen Macht und Privilegien in meinen eigenen Liebesbeziehungen? 

 

Only Rebels Win ist Teil der Sektion Panorama bei der Berlinale 2026.

Sophie Charlotte Rieger