Berlinale 2026: Two Mountains Weighing Down My Chest – Kurzkritik

In ihrem Debütfilm Two Mountains Weighing Down My Chest beleuchtet die Filmemacherin Viv Li ihr Leben zwischen ihrer Geburtsstadt Beijing und der queeren Kulturszene Berlins. Während seiner Laufzeit von knapp 90 Minuten springt der Dokumentarfilm gekonnt zwischen diesen beiden für die Künstlerin besonders bedeutenden Schauplätzen hin und her. Li hat über 15 Jahre ihre Zelte zwischen Europa, Südamerika und Südostasien aufgeschlagen und lebt heute in Berlin.

© Viv Li, Corso Film

Corona-Lockdowns in der chinesischen Hauptstadt, Lis erste Berührungsängste mit Kunstaktionen in Deutschland, kreative Events, Familienzusammenkünfte und Einzelgespräche mit Freund*innen sind Stationen dieses Selbstporträts. Familienheim, Restaurants, Kulturorte, Privaträume von Li und die Straßen Beijings vor dem Himmelstempel und Bannern der CCP dienen dabei als sich ständig abwechselnde Locations. Die Kameraarbeit, die in Zusammenarbeit mit Janis Mazuch entstanden ist, fängt eindrücklich Dynamiken von Kunstperformances, Intimität in Einzelgesprächen wie auch die Kälte und das Überwältigende der Großstadt ein.___STEADY_PAYWALL___

Lis private Einblicke lassen Zuschauende nah an die Filmemacherin heran, zeigen die verschiedenen Facetten einer Person zwischen traditionellen Familienerwartungen und lebendigem Künstlerinnensein. Beim Essen mit der Familie in Beijing unter gerahmten Bildern von Mao Zedong drehen sich angespannte Gespräche um Themen wie den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, die Klimakrise und europäische Essgewohnheiten. 

© Daniel Chein, Corso Film

Mit Freund*innen und Bekannten in Beijing und Berlin spricht Li über Identität und Zugehörigkeit. Manche von ihnen erzählen von neuer Elternschaft, manche suchen nach Liebe, andere nach einer Heimat. In allen Begegnungen geht es um eine Art Ankommen, an einem Ort, an dem es sich wohlfühlen und kreativ, körperlich und emotional ausdrücken lässt. 

Losgelöst von einem Spannungsbogen oder thematischer Abfolge erzählt Li in Two Mountains Weighing Down My Chest durch diese vielseitigen Begegnungen an verschiedenen Orten kollagenartig über ihre persönlichen Erfahrungen um (fehlende) Zugehörigkeit, Schmerz der Entfremdung und das ewig präsente Gefühl einer nie endenden Identitätssuche. Sehnsuchts- wie humorvoll bewegt sich die Filmemacherin durch die realen und seelischen Sphären ihrer Reise.

Two Mountains Weighing Down My Chest ist in der Sektion Panorama bei der Berlinale 2026 als Weltpremiere zu sehen.

Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

Sabrina Vetter
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