IFFF 2015: Eden – Hommage an die elektronischen 90er

Mit Eden entführt uns Mia Hansen-Løve in die 90er Jahr. Eine Zeit, in der geheime Partys noch geheim und kein Facebook-Event waren. Eine Zeit, der nur das Radio über Musikevents informierte und kein Internet voller „Insidertipps“ zur Verfügung stand. Eine Zeit, in der wir unsere Freunde noch aus der Telefonzelle anrufen mussten, wenn wir nicht gerade zu Hause waren. Eine Zeit, in der Eltern vor Ecstasy statt Crystal Meth warnten. Eine Zeit, in der noch Kassetten bespielt statt CDs gebrannt oder Dateien kopiert wurden. Eine Zeit, in der man_frau noch ganz selbstverständlich Kippen schnorren konnte, ohne das Gegenüber finanziell zu ruinieren. Eine Zeit, in der Nachrichten auf Anrufbeantwortern und nicht auf sogenannten „Mailboxes“ hinterlassen wurden.

© Alamode

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Insbesondere wer die 90er Jahre bewusst miterlebt hat, wird an dieser kleinen Zeitreise ihre_seine Freude haben. Doch über das Gefühl einer Generation hinaus, kann Mia Hansen-Løve uns leider nur wenig mit auf den Weg geben. Ihre Handlung ist stark reduziert, begleitet die typisch französisch-melancholische Hauptfigur Paul (Félix de Givry) durch zwei Jahrzehnte voller Elektropartys, Drogenexzesse und scheiternder Beziehungen und verzichtet dabei größtenteils auf die Konstruktion eines artifiziellen Spannungsbogens. Eden plätschert in etwa so ziellos dahin wie Pauls von jugendlichem Idealismus bestimmtes Musikerleben und ist in etwa so repetitiv bis schließlich ermüdend wie elektronische Musik. Darin liegt auch eine gewisse Konsequenz, eine gelungene Abstimmung von Form und Inhalt, doch unterhaltsamer macht diese ausgewogene Komposition das Gesamtwerk dennoch nicht. Da hilft auch ein Daft Punk Running Gag nur wenig.

Eden scheitert an einem Musikerportrait, dass im Prinzip von Beginn in einen kontinuierlichen Abwärtstrend gerät, ohne den im klassischen Storytelling obligatorischen Höhenflug der Hauptfigur darzustellen. Paul will DJ werden, aber weder seine Eltern noch wir als Zuschauer_innen glauben jemals daran, dass er davon wird leben können. Zu leichtsinnig ist sein Umgang mit Finanzen, zu ziellos-melancholisch seine Ausstrahlung. Auf der einen Seite ist es grundsätzlich erfreulich, wenn Filmemacher_innen ausgetretene Pfade – wie hier die Dramaturgie des klassischen Musiker_innenfilms – verlassen und neue Wege suchen. Die Abgrenzung Mia Hansen-Løves vom filmischen Mainstream fällt auch hinsichtlich des weiblichen Casts auf, bei dem sie sich für erfrischend „normale“ Frauentypen wie Greate Gerwig und Pauline Etienne entschieden hat, die authentische statt geschminkter Schönheit ausstrahlen. Gelungen sind auch die zahlreichen Club- und Musikszenen, in denen sich das Publikum als Teil des Szenerie fühlen und in die hypnotischen Klänge ganz eintauchen kann. Selbst ich, die ich bekennende Feindin der elektronischen Musik bin, ertappte mich bei dem innigen Wunsch, bald mal wieder in einen entsprechenden Club zu gehen.

© Alamode

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So ist Eden vermutlich weniger eine Narration als eine Hommage an eine Musik, eine Ära und einen Lebensabschnitt. Einen Lebensabschnitt, in dem wir uns von Idealismus leiten lassen, nicht an Morgen denken und stattdessen versuchen unsere Träume zu erfüllen, mögen sie auch noch so weit entfernt scheinen. Eden ist ein Film, in dem man_frau abtauchen und sich treiben lassen kann. Doch selbst für dieses Erlebnis sind 130 Minuten einfach ein bisschen zu viel.

Kinostart: 30. April 2015

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