Kritik: Schwarzer Ozean

© Salzgeber

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Friedlich, ja paradiesisch gar – so erscheint das glitzernde Weltmeer im Film von Marion Hänsel und erstrahlt, ganz anders als der Titel Schwarzer Ozean dies andeutet, in einladenden Blautönen. Dieser Widerspruch ist auch in diesem fast schon experimentell daherkommenden Drama selbst präsent, in dem unter einer ruhigen Oberfläche Ängste und Aggressionen schlummern. Vor traumhafter Pazifik-Kulisse erzählt Hänsel auf ganz eigene Weise von einer Gruppe junger Marine-Soldaten, die mit tiefer Verstörung auf die französischen Atomtests im Inselparadies des Mururoa-Atolls reagieren. Mit einer enormen Ruhe und sanften Bildkompositionen verweist die Regisseurin mehrdeutig auf all die Dinge, die in Schwarzer Ozean ungesagt, jedoch nicht ungezeigt bleiben. Sie setzt ganz auf die ureigene Sprache des Kinos – Gefallen wird daran vor allem ein geduldiges Publikum finden, das Spaß daran hat, Bilder nicht nur zu betrachten, sondern auch wie Texte zu lesen. Und das lohnt sich, denn Hänsels Aufnahmen sind betrachtens- und lesenswert.

1972 im Pazifik: Massina (Nicolas Robin) ist wie seine Kameraden auf einem französischen Marineschiff mit seinen knapp 20 Jahren mehr ein Junge als ein Mann. Sein ruhiges Temperament führt zum Rückzug von den zuweilen streitsüchtigen anderen Matrosen, die sich ihre Freizeit mit Schlägereien und wilden Partys vertreiben. Massina zieht die Gesellschaft seines Hundes und des ebenfalls nachdenklich gestimmten Moriarty (Adrien Jolivet) vor. Dieser ist es auch, der als einziger das Ausmaß der im Mururoa-Atoll durchgeführten Atomtests begreift. Seinem Schrecken und den dadurch ausgelösten Zweifeln an der gemeinsamen Mission kann er jedoch kaum Ausdruck verleihen und auch Massina ist nicht in der Lage, den Schmerz seines besten Freundes aufzufangen…

(…)

Fazit: In Schwarzer Ozean mehr als hübsche, aber ermüdende Aufnahmen des Pazifiks zu sehen, erfordert Geduld und Lust an der Herausforderung jedes einzelnen Bilds. Wer sich aber auf Marion Hänsels gedehntes Erzähltempo einlässt, wird mit einer zum Schneiden dichten Atmosphäre belohnt, wie sie mit großen Worten und schnellen Schnitten kaum zu vermitteln wäre.

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