Kritik: Papusza – Die Poetin der Roma

Die Kultur der Roma ist eine orale und patriarchale. Dementsprechend schwer hat es die Dichterin Papusza, deren Werke zwar in Polen große Berühmtheit erlangt haben, in ihrer eigenen Gesellschaft jedoch auf Skepsis und gar Ablehnung stießen. In ihrem gleichnamigen Film zeichnen die Regisseur_innen Joanna Kos-Krauze und Krzysztof Krauze den Lebensweg dieser beeindruckenden Frau nach und geben dem Kinopublikum gleichzeitig tiefe Einblicke in die Welt der Roma.

© Kairos

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Als junges Mädchen wird Papusza (Jowita Miondlikowska) an einen deutlich älteren Mann zwangsverheiratet, doch sie kann ihm keine Kinder gebären. Dass sie als einzige in der reisenden Gemeinschaft lesen und schreiben kann, macht dies nicht besser. „Hättest Du mal lieber gelernt, wie man Kinder bekommt“, beschimpft sie ihr Ehemann. Einzig der Pole Jerzy Ficowski (Antoni Pawlicki), der sich in der Roma-Gruppe für zwei Jahre vor der Polizei versteckt, erkennt das Talent der jungen Frau. Er ist es auch, der einige Jahre später ihre Gedichte sowie eine Abhandlung über die Roma veröffentlicht, inklusive dem ersten Wörterbuch der Roma-Sprache. Die Gemeinschaft fühlt sich von Papusza verraten und reagiert mit Aggression gegen die Dichterin. Von Familie und Freunden verstoßen, droht sie an ihrem eigenen Talent zu zerbrechen.

In malerischen schwarz-weiß Aufnahmen erzählt das Ehepaar Joanna Kos-Krauze und Krzystof Krauze Papuszas Geschichte in Rückblicken, ausgehend von einer gefeierten musikalischen Interpretation ihrer Werke auf einer polnischen Bühne. Die Künstlerin bestreitet, die Urheberin der Texte zu sein. Es handele sich um ein Missverständnis. In den folgenden zwei Stunden bietet Papusza die Herleitung dieser Reaktion, erklärt die Ablehnung der Werke durch ihre Schöpferin. Trotz kleinen Budgets gelingt es den Filmemachern, den Zuschauer mit einer glaubwürdigen Ausstattung in die verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts zu entführen. Die Schwarz-weiß-Ästhetik und wohlkomponierten Bilder sind gut durchdachte Kunstgriffe. Papusza versucht kein realistischer Historienfilm zu sein, sondern steht zu seiner Melodramatik, und es ist ebene jene Kohärenz und Ehrlichkeit, aus der das Konzept trotz all seiner Romantisierung der Ereignisse letztlich Überzeugungskraft gewinnt.

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