Filmkritik: Spirit Berlin

© Kinostar

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Berlin ist weltweit für seine kunterbunte kulturelle Mischung bekannt. Menschen unterschiedlichster Herkunft, Gesinnungen und Religionen machen die deutsche Hauptstadt nicht nur zu einem bunten, sondern auch zu einem kreativen Ort. Der Filmtitel Spirit Berlin ist insofern mehrdeutig, als dass er sowohl diesen Geist der Metropole einfangen als auch eine spirituelle Reise darstellen möchte.

In Zentrum steht der junge Schauspieler Stephan, den es nach spiritueller Selbsterfahrung und Entfaltung dürstet. Im reichhaltigen Angebot der Hauptstadt an religiösen Gemeinschaften, Heilern und geistigen Lehrern hangelt er sich von Workshop zu Workshop. Recht früh auf seiner Reise macht er in einem Yoga-Kurs die Bekanntschaft von Simone, die ihn auf seinem weiteren Weg begleitet. Doch kann Stephan in dieser Vielfalt von spirituellen Möglichkeiten wirklich zu innerer Ruhe finden?

Filmemacherin Kordula Hildebrandt nimmt ihr Thema ernst. Ihr geht es nicht darum, die spirituelle Suche ihres Protagnisten ins Lächerliche zu ziehen und damit das Kinopublikum zu unterhalten. Vielmehr begegnet sie sowohl Stephan als auch allen seinen Gesprächspartner_innen mit großem Respekt. Manche Szenen mögen auf Grund ihrer Fremdartigkeit zwar zum Schmunzeln oder gar Lachen motivieren, doch ist die Ursache dieser Komik in den meisten Fällen im Zuschauer bzw. in der Zuschauerin und nicht in der Inszenierung selbst zu finden. Etwas inkonsistent wirkt in diesem Zusammenhang die Wahl der Hauptfigur, besitzt Schauspieler Stephan doch eine durchaus komödiantische Aura und entwickelt nur wenig Authentizität. So interessant auch die Menschen sind, die ihm auf seiner Reise begegnen, Stephan selbst bleibt eine schwer zugängliche Figur, deren spirituelle Entwicklung kaum nachzuempfinden ist.

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Sophie Charlotte Rieger

Sophie (Charlotte Rieger) ist die Gründerin von FILMLÖWIN und arbeitet als freie Autorin und Speakerin zu den Themen Film und Feminismus.
Sophie Charlotte Rieger