Oxana – Mein Leben für Freiheit – Kurzkritik

In Oxana – Mein Leben für Freiheit zeichnet Regisseurin Charlène Favier ein Porträt der Femen-Aktivistin Oksana Schatschko. In Vignetten, die hauptsächlich auf zwei Zeitebenen spielen, verfolgt das Biopic Schatschkos Leben von ihrer Jugend im ukrainischen Chmelnyzkyj bis nach Paris am 23. Juli 2018, dem Tag ihres Suizids.

© 2024 – Rectangle Productions – 2.4.7. Films – Hero Squared – France 3 Cinéma – Tabor Ltd – X Verleih AG

Favier entscheidet sich einerseits für einen Blick auf Schatschkos Leben in der Ukraine: als Teenagerin, deren Ikonenmalerei, die Familie finanziell unterstützt; wie bei Stammtischtreffen mit Freundinnen Bewusstsein für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten entsteht; die ersten Femen-Aktionen ab 2008, darunter der erste Oben-ohne-Protest im Februar 2010, der den offiziellen Beginn der von der Gruppe entwickelten Aktionsform Sextremismus markiert.___STEADY_PAYWALL___

Auf dieser Erzählebene verfolgt Favier auch die Entstehungsgeschichte von Femen, wie diese zu ihren Erkennungsmerkmalen der Blumenkränze und mit Slogans beschriebenen Körper findet. Zunächst konzentrieren die Femen-Aktivistinnen ihre Anliegen darauf, auf sexualisierte Gewalt und Sextourismus in der Ukraine aufmerksam zu machen. Bald führen sie Proteste gegen Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko an. In diesem Erzählstrang zentriert Favier die Organisierung von feministischer Kampfarbeit und welche Formen politischer und körperlicher Gewalt aktivistische Zusammenschlüsse erfahren. Unter der russlandfreundlichen Regierung des damaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch sind die Aktivistinnen Bedrohungen ausgesetzt und ihre Leben in Gefahr.

© 2024 – Rectangle Productions – 2.4.7. Films – Hero Squared – France 3 Cinéma – Tabor Ltd – X Verleih AG

Während sich diese Erzählungen an realen Ereignissen entlang bewegen, ist die zweite Zeitebene in Oxana – Mein Leben für Freiheit durchweg fiktionaler: Am 23. Juli 2018, fünf Jahre nach der Flucht aus der Ukraine, lässt Favier die Hauptfigur durch den Alltag in Paris ziehen: sie zeigt Schatschko beim Interview mit einer Journalistin, beim Behördengang zu ihrem geltenden Flüchtlingsstatus, im Schwimmbad, bei der Ausstellungseröffnung ihrer feministisch umgedeuteten Ikonenbilder. 

Faviers Beobachtungen zum Werdegang von Femen und die fünf Jahre, die Schatschko Teil davon ist, bieten durchaus interessante Einblicke in die Entstehung und Arbeit von feministischem Aktivismus. Dass Zusammenhalt stärkt und wie Hoffnung mitreißt, betont die Regisseurin besonders. Auch zeigt sich an dieser Stelle, wie Gewalt von außen wirkt und Zerwürfnisse Teil von feministischen Kämpfen sein können, wenn Ressourcen an ihre Grenzen stoßen. Hier ist Oxana – Mein Leben für Freiheit spannendes Aktivistinnenporträt. Dem gegenüber steht die Ruhelosigkeit des einen Tages im Juli 2018: eine Art Psychogramm, das vom Gefühl der Hoffnungslosigkeit zehrt. 

© 2024 – Rectangle Productions – 2.4.7. Films – Hero Squared – France 3 Cinéma – Tabor Ltd – X Verleih AG

Bis zum Schluss wollen diese beiden Erzählebenen nicht ganz zusammenkommen, sich die Persönlichkeiten Schatschkos, als enthusiastische Aktivistin und ziellose Flaneurin, nicht nahtlos ergänzen. Wo diese beiden sich treffen, kann Oxana – Mein Leben für Freiheit nicht beantworten, denn Lebensumbrüche zwischen 2013 und 2018, nach Schatschkos Ankunft in Paris, spart Favier großzügig aus. So wirken die Stationen am 23. Juli eher wie eine Unterbrechung (statt Ergänzung) der vielen, dennoch zu kurz geratenen Einblendungen von Schatschkos Wirken in und mit Femen in den Jahren zuvor. So wird es Zuschauer*innen bis zum Schluss erschwert, dem Lebensweg der Aktivistin und Künstlerin Oksana Schatschko vollumfänglich zu folgen.

Kinostart: 24. Juli 2025

Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

Sabrina Vetter
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