FFHH 2026: The Idiot(s) – Kurzkritik

In Co-Regie erzählen Małgorzata Szumowska und Michał Englert in The Idiot(s) die Geschichte von Fjodor Michailowitsch Dostojewski (Johnny Flynn) und seiner Frau Anna Grigorjewna Dostojewskaja (Aimee Lou Wood) im Exil in Baden-Baden.

Angeblich auf der Suche nach Inspiration für seinen nächsten Roman, der das Ehepaar wieder auf stabilen ökonomischen Boden stellen soll, widmet sich Fjodor dem Roulette und gleitet in eine Spielsucht ab. Die treue Anna bleibt nicht nur trotz zahlreicher Rückschläge bei ihm, sondern unterstützt ihn auch tatkräftig beim Verfassen seines neuen Meisterwerks: Der Idiot.

Szumowska und Englert erzählen diese Geschichte mit einer großen Portion Humor und musikalischem Anachronismus, wobei insbesondere hinsichtlich der karikaturesken Figuren der Baden-Badener High Society noch Luft nach oben bleibt. Letztlich changiert The Idiot(s) zu stark zwischen streckenweise bedrückendem BioPic und überzeichneter Farce, um letztere auf Rezeptionsseite umfänglich zu umarmen.___STEADY_PAYWALL___

© The Match Factory

In jedem Fall aber dienen die stilistischen Brechungen sowohl dem Unterhaltungswert als auch der Markierung künstlerischer Freiheiten der Filmemacher*innen und ihrer Absage an eine objektive Wahrheitsfindung. The Idiot(s) ist das Spiel mit Möglichkeiten einer Geschichte, basierend auf „wahren Begebenheiten“ und doch gespickt mit ordentlich Fantasie. Oder anders formuliert: The Idiot(s) steht dazu, ein Film zu sein und verkauft sich nicht als Zeitreise in die Biographie des legendären russischen Schriftstellers, die wir heute ohnehin nur aus Verdachtsmomenten zusammensetzen können.

Was Zuschauer*innen aus diesem Werk mitnehmen, ist am Ende allerdings vor allem die Frage, weshalb Anna Grigorjewna Dostojewskaja bei einem so unausstehlich nichtsnutzigen Mann wie Fjodor bleibt, der im Rahmen der Filmhandlung wahrlich durch keinerlei Charakterstärken punkten kann. Ein Taugenichts, wie er im Buche steht, der vollständig auf die Unterstützung seiner Frau angewiesen ist, die er zum Dank regelmäßig hintergeht.

Und auch wenn The Idiot(s) Anna Grigorjewna Dostojewskaja vordergründig als das eigentliche Genie empowert, müssen wir uns zumindest als Feminist*innen ernsthaft fragen, ob sie mit dem angedeuteten Plural im Filmtitel nicht eigentlich mitgemeint ist. Zumindest kann uns das Regie-Duo keine Hinweise darauf geben, was am nervtötenden Fjodor liebenswert sein könnte.

Schließlich stellt sich dann auch die Frage, warum sich Małgorzata Szumowska und Michał Englert überhaupt dem Leben und Werk eines Mannes widmen, für den sie offensichtlich keinerlei Respekt aufbringen können, anstatt ihre Ressourcen in die Biographie einer der großen Schriftstellerinnen der Literaturgeschichte zu investieren.

The Idiot(s) ist Teil des Programms von Filmfest Hamburg 2026.

Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

Sophie Charlotte Rieger
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