Zurück an den Herd – Iron Man und die Frauen

In seinem neuesten Kinoabenteuer Iron Man 3 hat es der Held (Robert Downey Jr.) nun wirklich nicht leicht. Erst taucht dieser merkwürdige Kerl (Guy Pearce als Aldrich Kilian) auf und macht seiner Freundin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) schöne Augen und dann legt der Terrorist Mandarin (Ben Kingsley) auch noch sein Haus in Schutt und Asche. Dazu gesellt sich eine lästige posttraumatische Belastungsstörung und als wäre Iron Man damit noch nicht genug gestraft, gerät auch die Rollenverteilung im Hause Stark aus den Fugen. Zum Glück scheut der Superheld keine Herausforderung. Nicht mal starke Frauen!

Achtung: Der folgende Artikel über Tony Starks Frauenproblem enthält Ironie und SPOILER.

Mein Haus, meine Frau, mein Anzug – Wie Iron Man alles verliert

Ein überdimensioniertes Stofftier reicht nicht aus, um Peppers Ansprüche an ihren Lebensgefährten zu mindern. Sie möchte doch tatsächlich trotz allem noch Aufmerksamkeit und Fürsorge erleben. Gezeichnet von seinem „New-York-Trauma“ zieht sich Tony Stark jedoch immer mehr in seine Werkstatt zurück und tüftelt an immer neueren Versionen seines Anzugs. Diese dienen nicht mehr länger nur dazu, Bösewichten das Handwerk zu legen, sondern sollen ihm auch seine Freundin vom Leib halten, wenn diese mal wieder auf der Suche nach Zweisamkeit ist. Während Tony Stark also noch in seinem Labor zu Gange ist, wird Pepper ein Stockwerk darüber von einer romantischen, aber vollkommen hohlen Metallpuppe empfangen. Als dieses Alter Ego dann eines Nachts, durch Tonys Alptraum fremdgesteuert, Pepper an die Gurgel geht, hat die Dame des Hauses die Schnauze voll und zieht es vor, fortan alleine zu schlafen. Ja, im Hause Stark herrscht wahrlich keine Harmonie.

Als Iron Man seinen Widersacher Mandarin vor laufenden Kameras herausfordert und ihm praktischer Weise gleich noch seine Privatadresse mitteilt, hat Pepper endgültig die Schnauze voll von ihrem zunehmend irrationalen Superheldenfreund und packt fluchend die Koffer. Nicht unbedingt, weil sie Tony verlassen möchte, sondern weil sie im Gegensazu zu ihm immerhin noch genug Geistesgegenwart besitzt, um zu ahnen, dass es hier gleich ziemlich ungemütlich werden wird. Just in dem Moment tritt Maya (Rebecca Hall), eine erfolgreiche Biochemikerin und einstige Bettgefährtin Tonys. auf den Plan, was die ohnehin schon angespannte Situation nur noch verschärft. Man könnte also sagen, dass der folgende Luftangriff des Mandarin Tony Stark aus einer ziemlich unangenehmen Situation rettet, denn wenn Projektile durch die Luft fegen, bleibt keine Zeit für Beziehungsstress.

In einer Notsituation kann der Mann endlich wieder das tun, was er am besten kann: Die Frau beschützen. Doch auch diesmal ist es Tonys vollautomatischer Vertreter, der sich schützend um Pepper schließt. Und das wiederum befähigt die blonde Powerfrau, selbst zum Beschützer ihres Manns zu werden. Die Rollen werden für einen kurzen Moment vertauscht. Natürlich nur so lange, bis die Frauen die Gefahrenzone verlassen haben. Dann pfeift der Held seinen Anzug zurück. Und das muss er auch. Denn – oh weh – in was für eine Situation ist Iron Man da nur geraten? Mit dem Haus sind auch fast alle Anzüge zerstört worden und der letzte gibt kurz nach Tonys Flucht den Geist auf. Was ist Iron Man ohne Anzug und mit Angstattacken?
Genau: gar nichts. Und das ist dann auch der Tiefpunkt seiner Krise. Von der eigenen Frau gerettet, ohne Anzug quasi nackt, ist Tony Stark auf einen 8 Jährigen (!) angewiesen, um sich zu rehabilitieren.

Eine schwache Frau macht einen starken Mann – Iron Mans Rückkehr

Zwei starke Frauen (Pepper und die clevere Botanistin) und ein gebeutelter Superheld ohne Superkräfte, das ist wahrlich ein untypisches Szenario. Es gibt nur einen Weg, wie Tony Stark sich aus dieser Männlichkeitskrise befreien kann: Die traditionelle Rollenverteilung muss sofort wieder hergestellt werden.

Die freundliche, patente Biochemikerin darf nicht länger freundlich und patent sein. Erst entpuppt sie sich als Handlangerin des Mandarin höchst selbst und überführt Pepper in seine Gewalt, und dann stellt sich auch noch heraus, dass ihre Forschung einen gewaltigen Makel aufweist. Die von ihr produzierte Droge neigt nämlich zu spontaner und unkontrollierbarer Selbstentzündung. Und Iron Man wäre kein Superheld, wenn er nicht beide dieser Unzulänglichkeiten aufwiegen könnte: Erstens hat Tony Stark den Fehler in der chemischen Gleichung schon vor Jahren gefunden und korrigiert und zweitens wird er nun Pepper Potts retten.

Und damit verschwinden die Frauen für nahezu den kompletten Rest des Films von der Bildfläche und glänzen, wie es sich im Superhelden-Genre gehört, durch Abwesenheit. Pepper Pots wird von der starken Karrierefrau zum hilflosen Opfer, das nur dazu dient, dem Helden einen Grund zu geben, gegen den Bösewicht in den Krieg zu ziehen. Und Maya überlebt als intelligente Frau natürlich nicht bis zum Finale. Die eine Frau tot, die andere hilflos: Mit dieser traditionellen Rollenverteilung ist dann die Welt wieder im Gleichgewicht und Iron Man kann endlich zu seiner gewohnten Stärke zurückfinden.

Aber am Ende droht sich das böse Frauchen dann wahrhaftig doch noch zu emanzipieren. Mit Hilfe der schon erwähnten Droge gelangt Pepper Potts zu Superkräften, die nicht nur Iron Man übertreffen, sondern ihr vor allem vollkommen ohne technisches Equipment zur Verfügung stehen. Pepper Potts rettet die Welt. Doch natürlich hat diese plötzliche Ermächtigung einen Nachteil, denn wie schon erwähnt, führt die injizierte Droge zu spontaner Selbstentzündung und Pepper läuft Gefahr, bei zu großer Aufregung „hochzugehen“. Und weil Hysterie ja der größte weibliche Makel überhaupt ist und Tony Stark sowieso nicht dulden kann, dass ausgerechnet seine Frau stärker ist als er, spricht er den besten Satz des ganzen Films: „Ich kann dich reparieren!“ Und nein: Reparieren heißt hier nicht, dass Tony mit Hilfe der von ihm schon vor Jahren korrigierten Formel das Risiko einer Spontanentzündung eliminiert und Pepper Potts zu einer neuen Superheldin wird. Nein, „reparieren“ bedeutet, dass die Spuren der Droge aus Peppers Organismus entfernt werden. Am Ende ist sie also wieder eine ganz normale Frau, neben der sich Tony Stark endlich wieder wie ein ganzer Kerl fühlen kann. Iron Man hat die Welt wieder in Ordnung gebracht: Männer sind wieder Männer und Frauen wieder Frauen. Nun kann er sich zur Ruhe setzen und von Pepper Potts das Abendbrot kochen lassen. Ende gut, alles gut.

Autor

Sophie Charlotte Rieger
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