The Invite – Kurzkritik

Mit The Invite verfilmt Olivia Wilde die spanische Komödie Sentimental aus dem Jahr 2020. Das Drehbuch von Rashida Jones und Will McCormack verlagert die Geschichte (die bereits für italienische, schweizer, koreanische und französische Kinos verfilmt wurde) nach San Francisco, wo Angela (Regisseurin Wilde) und Joe (Seth Rogen) ihre Nachbarschaft aus der Wohnung über ihnen, Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton), zum Abendessen empfangen. Was folgt, ist ein Kammerspiel, das schwarzhumorig wie absurd über verhärtete Beziehungsdynamiken, Begehren und Liebe erzählt.

© Tobis

The Invite ist in der Tat gegensätzlich: einerseits auf das Nötigste reduziert (limitiertes Setting, ein vier-Personen-Cast), andererseits dicht und dynamisch erzählt. Der kraftvolle Score von Devonté Hynes hält die (An-)Spannung der langsamen Eskalation aufrecht; die sich überlappenden Dialoge fordern von Zuschauer*innen durchgehend Aufmerksamkeit und sind gleichzeitig so gestaltet, dass genau diese wahrscheinlich gar nicht jedes Detail bei der ersten Sichtung vollumfassend mitbekommen.___STEADY_PAYWALL___

The Invite ist außerdem überraschend sexpositiv, body-positiv und aufgeklärt. Denn wann ist schließlich das letzte Mal das Wort „Perimenopause“ in einem amerikanischen Film gefallen? Und dann noch ein erklärendes Gespräch darüber geführt worden? Eine (zugegeben geringe, aber dennoch bestehende) Messlatte, die erreicht wird, und ein Schritt hin zum selbstverständlichen Erzählen auf der Leinwand über die wenig sichtbaren Aspekte des physiologischen Alterns. Vor allem Millennials werden es Wilde danken. 

© Tobis

Trotzdem kommt Wildes Film nicht um das eine oder andere Klischee in der Figurenzeichnung herum. Dass sich diese Zusammenstellung über die Geschlechter verteilt (vom tölpelhaften Mittelschichtsehemann bis zur rätselhaften Verführerin ist alles dabei), macht das einfach Gestrickte der Charaktere auch nicht besser. Diese Konstellation erklärt sich aber vielleicht auch dadurch, dass Kammerspiele, die von fast zwei Stunden Redefluss geprägt sind, mit zugänglich gestalteten Figuren besser verdaulich sind als mit (über-)komplexen. 

The Invite zeigt Beziehungsdynamiken in einer deutlichen Bandbreite zwischen Schmerz und Schmunzeln. Ein bisschen mehr Mut, um die gemeinsame Geschichte des Vierergespanns auszuerzählen, hätte dem Ganzen dann aber doch ganz gutgetan. Und während nicht alle Drehbuchentscheidungen ganz aufgehen, hinterlassen Schauspiel wie Regie einen Eindruck, der auch noch nach dem Abspann bleibt.

Kinostart: 30. Juli 2026

Dieser Text ist als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.

Sabrina Vetter
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