Berlinale 2026: Staatsschutz – Kurzkritik
Die junge Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) ist überzeugt von der Rechtsstaatlichkeit Deutschlands und ihrer Rolle in der Ausübung der Exekutive. Als sie selbst Opfer eines rassistischen Anschlags wird, gerät ihr Vertrauen in den Rechtsstaat ins Wanken, bis sie letztendlich erkennen muss: Die Justiz, die ihr Zuhause ist, hat nicht nur kein Interesse daran, rechtsextreme Täter*innen zu überführen, sondern ist nur ein Rädchen in einem System, das rechtsextremen Terror erst möglich macht. Muss sie sich von dem System entfernen oder von innen bekämpfen?

© Lotta Kilian/Jünglinge Film
Faraz Shariat seziert in Staatsschutz die Verstrickungen von Justiz, Polizei und Rechtsterror mit einer kritischen Haltung, die in ihrer Radikalität überwältigt. In seiner Inszenierung ist der Film fest in einer realistischen Darstellung von Rechtspraktiken verhaftet und erlaubt seinen vor allem migrantischen Frauenfiguren – allesamt Betroffene rassistischer Gewalt – dennoch zumindest kleine, aber wirksame Hebel, um sich gegen dieses System, das sie auslöschen will, zur Wehr zu setzen. Staatsschutz fühlt sich ebenso entlarvend wie empowernd an – auch oder vielleicht gerade weil er sich einer klaren Antwort auf die Frage, ob das Rechtssystem weiterhin eine Rolle im Kampf gegen rechte Gewalt spielen kann, verweigert.___STEADY_PAYWALL___
Durch Protagonistin Seyo – kraftvoll dargestellt im Spielfilmdebüt von Chen Emilie Yan – transportiert der Film sehr spürbar eine Lebensrealität, die für viele im Publikum fremd sein dürfte: eine ständige Angst um das eigene Leben, eine furchtbare Gewissheit, in Deutschland nicht sicher zu sein, und die katastrophale Erkenntnis, vom Gesetz nicht geschützt zu sein. Im Film vergeht keine Minute, in der ein weiterer Anschlag nicht erwartbar ist. Er entfacht damit eine Anspannung, die die Filmwahrnehmung stark intensiviert.

© Lotta Kilian/Jünglinge Film
Ein kraftvolles Gerichtsdrama oder doch eher die Origin-Story für eine antifaschistische Heldinnenenerzählung? Staatsschutz von Faraz Shariat fühlt sich am Ende wie beides an und hinterlässt nicht zuletzt deswegen einen bleibenden – und mahnenden! – Eindruck.
Die 76. Berlinale zeigt Staatsschutz als Weltpremiere.
Dieser Text ist zuerst als Kurzkritik auf unserem Instagram-Kanal erschienen.
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