Die Häschenschule

Wer kennt ihn nicht, den Kinderbuch-Klassiker von Albert Sixtus?! Die Häschenschule steht nun seit fast 100 Jahren in jedem Kinderzimmer und auch in so manchem Bücherregal der älteren Generation, ist die Geschichte von der Schule für kleine Osterhasen doch eine herzerwärmende Kindheitserinnerung. Umso bedauerlicher gestaltet sich dann die visuelle Umsetzung der Geschichte im aktuellen Kinofilm von Ute von Müncho-Pohl, die weniger an die liebevollen Zeichnungen und mehr an ein billiges Computer-Spiel erinnert. Der nostalgische Charme geht der Geschichte hiermit vollständig abhanden.

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Andererseits versucht Die Häschenschule auch gar nicht, das Meisterwerk von Sixtus zu kopieren, sondern transportiert nur das Konzept in die Jetzt-Zeit, um eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Der coole Stadthase Max gerät durch Zufall in den Wald und die dortige Häschenschule. Eigentlich will er sofort wieder zurück, um an der Mutprobe für eine Gang teilzunehmen, doch weil die Füchse im Wald lauern, muss er erst einmal in der ach so langweiligen Schule bleiben. Die gestaltet sich dann aber weitaus interessanter als gedacht, denn was die Osterhasen so lernen, ist eigentlich ziemlich cool: Mit dem Verschwindibus-Trick können sie sich unsichtbar machen und an einen anderen Ort befördern. Damit könnte Max sicher das Aufnahmeritual in die Gang bestehen. Doch er hat seine Rechnung ohne die fiesen Füchse gemacht, die einen Einbruch in die Schule planen.

Linear und unaufgeregt erzählt, ist Die Häschenschule ein Film für die ganz kleinen Kinobesucher_innen. Die Geschichte ist einfach verständlich, verliert sich nicht in Nebenhandlungen und entwickelt genau das richtige Maß an Spannung. Selbst für die erwachsenen Begleitpersonen wird der eine oder andere Gag geboten, auch wenn das Konzept insgesamt klar auf Kinder ausgerichtet ist.

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Der pädagogische Subtext ist dementsprechend wenig subtil: Der coole Stadthase Max muss lernen, dass es nicht darum geht, der Beste und Coolste zu sein, sondern um Hilfsbereitschaft und Kooperation. Nur in der Gemeinschaft können sich die Hasen gegen die Füchse wehren. Liebenswert ist auch die Wertschätzung, die der Film all seinen Figuren entgegenbringt: Egal wie groß oder wie klein, jeder Hase kann etwas Wertvolles zur Gemeinschaft beitragen. Dass die Füchse dabei ziemlich eindimensional dämlich daherkommen, ist jedoch ein erheblicher Wermutstropfen.

Ein Highlight ist die Figur der Madame Hermine, eindeutig an Mister Miyagi aus Karate Kid angelegt, die mit den Kindern morgens Tai-Chi macht und mit buddhistischer Ausgeglichenheit in jeder Krisensituation Ruhe bewahrt. Madame Hermine ist ein weiblicher* Guru, wie wir ihn im Kinderfilm selten erleben: Sie verfügt nicht nur über großes Wissen, sondern ist mit beeindruckenden Karate-Tricks auch eine mutige Verteidigerin ihrer Schützlinge.

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Der Falle einer zweifelhaften Nostalgie entgeht der Film durch die bewusst progressive Ausrichtung der Geschichte. Die Häschenschule ist zwar eindeutig ein idyllischer Ort der Ruhe und steht damit im krassen Gegensatz zur Moderne in der Stadt, profitiert aber dennoch von den Impulsen des Neulings Max. Die strengen Regeln, die für den Erhalt einzelner Traditionen sorgen sollen, erweisen sich als flexibel. Auch hier geht Madame Hermine mit positivem Beispiel voran: Statt sich an Bewährtem festzuklammern, ist die Lehrerin stets bereit, neuen Ideen eine Chance zu geben und althergebrachte Regeln zu überdenken.

Unterm Strich ist Die Häschenschule also trotz der wenig attraktiven Animation ein gelungener und emanzipatorisch wertvoller Kinderfilm, dem es vor allem um das Gefühl der Gemeinschaft geht. Frei unter dem Motto: „Wenn wir fest zusammenhalten, kann Ostern in den Turbo schalten.“

Kinostart: 16. März 2017

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