Berlinale 2012: L’âge atomique

Dieser Text stammt von meinem ersten Blog SophiesBerlinale und gehört somit zu meinen ersten wackligen Schritten als Filmjournalistin. Deshalb bitte ich darum, etwaige Mängel zu entschuldigen und wohlwollend darüber zu schmunzeln.

© Pro Fun Media

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Bei L’âge atomique handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie der Regisseurin Héléna Klotz, die sich mit dem Thema Jugend beschäftigt. In diesem Film durchstreifen wir das Pariser Nachtleben mit Victor (Eliott Paquet) und Rainer (Dominik Wojcik), gehen mit ihnen in einen Club, laufen durch die Straßen und später auch durch ein Waldstück. Wir werden Zeuge von Victors Versuchen, ein Mädchen für sich zu gewinnen, einer Auseinandersetzung mit einem Yuppie und einer Liebesbekundung der besonderen Art.

Der gesamte Film ist von einer verträumten Musik begleitet, die auch während der Partyszenen nicht pausiert. Dadurch entsteht eine Asynchronität zwischen dem Score und der sich in einem anderen Takt wiegenden Körper. Die Dialoge sind über die Musik gesprochen, so dass auch sie nicht wie von den Protagonisten von sich gegeben, sondern mehr wie ein Voice-Over wirken, eine Gedankenstimme der Figuren. Was zunächst sehr reizvoll ist und uns in die Stimmung dieser Nacht einsaugt, wird mit der Zeit anstrengend. Auch die Dialoge, bei denen es sich weniger um Informationstausch als vielmehr um Reflektionen der einzelnen Personen handelt und die oft kryptisch wirken, tragen dazu bei, dass man_frau sich nach einem Twist sehnt, der uns Zuschauer_innen aus dieser melancholischen Gleichförmigkeit erlöst.

Während einzelne Passagen wie die typischen Ereignisse einer durchzechten Nacht wirken, z.B. der gefühlsduselige Moment im Vollrausch, bleibt die Relevanz anderer Sequenzen rätselhaft. So wurde mir auch nachträglich nicht klar, warum Victor den Konflikt mit dem Yuppie eingeht und welche Funktion ihr Streit für die Handlung des Films hat.

Am Problematischsten ist aber, dass sich die Figuren als schlechte Identifikationsfolie erweisen, da sie eben nicht ganz normale Jugendliche im Nachtleben einer europäischen Hauptstadt sind. Als er friert, klaut Rainer auf offener Straße von einem anderen jungen Mann den Mantel und nimmt ihm im selben Zug das Portemonnaie ab. Dieser kriminelle Zug mag nicht so recht zu der Figur passen, wie wir sie bislang kennengelernt haben und erschwert auch die Einfühlung in seine Welt. Die Stimmung des Films und die kontemplativen Dialoge erschaffen die beiden Hauptfiguren als Personen, die mich an einen bestimmten Typus meiner geisteswissenschaftlichen Uni-Kommiliton_innen erinnert. Menschen, die sich dem Existentialismus verschreiben, sich von Melancholie und Endlichkeit magisch angezogen fühlen und ihre eigene Depressivität kollektiv zelebrieren.

Ob einem das gefällt oder nicht, ist natürlich eine Frage des Geschmacks. Mich können auch die schön fotografierten Bildkompositionen nicht über die depressive Grundstimmung von L’âge atomique hinwegtrösten. Während des insgesamt sehr dunklen Films werde ich immer müde. Trotz einer Länger, oder vielmehr Kürze, von nur 67 Minuten, fühle ich mich irgendwann, als wäre es in der Tat mitten in der Nacht und ertappe mich mehrfach, wie mir vor Müdigkeit die Augen zufallen.


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