Berlinale 2011: El Premio

Dieser Text stammt von meinem ersten Blog SophiesBerlinale und gehört somit zu meinen ersten wackligen Schritten als Filmjournalistin. Deshalb bitte ich darum, etwaige Mängel zu entschuldigen und wohlwollend darüber zu schmunzeln.

© Global Film Initiative

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Ich hoffe, bis zur nächsten Berlinale vergesse ich nicht, dass es sich nicht lohnt, Karten für die Urania im Vorverkauf mit Aufpreis zu erwerben. Der Film gestern Abend war bislang der einzige, der jenseits von ausverkauft war. Ich fand’s toll – so konnte ich mich genüsslich auf die freien Plätze neben mir ausbreiten.

Der argentinische Film El Premio von Paula Markovitch wird konsequent aus der Sicht der etwa 7-jährigen Protagonistin erzählt. Die lebt mit ihrer Mutter in einer in Auflösung begriffenen Strandhütte, in der sie sich vor dem Militär versteckt halten. Warum die Soldaten die Mutter töten wollen, das weiß Cecilia nicht so genau und deshalb wissen wir es auch nicht. Die Kleine ist überglücklich, als ihr gestattet wird, eine nahe Schule zu besuchen. Schnell findet sie eine enge Freundin, mit der sie in der wilden Strandlandschaft spielt. Was idyllisch klingt, ist eigentlich karg, stürmisch und kühl – letzteres nicht nur farblich, wie die dicken Jacken der Kinder stets verdeutlichen. Die Situation spitzt sich zu, als Cecilia in der Schule für einen Wettbewerb einen Aufsatz über das Militär schreiben soll. Sie hat zwar die Anweisung von der Mutter, mit niemandem darüber zu reden, dass die Soldaten böse und grausam sind, dass sie ihre Cousine umgebracht und das schöne Klavier zerstört haben. Aber schreiben darf frau doch, oder?!

Ein Mann im Publikum beschwerte sich im Nachhinein, die Figur der Cecilia sei anstrengend gewesen. Allgemein gesprochen, ist das Mädchen sicher das, was meine Mutter als „schreckliches Kind“ bezeichnen würde: laut und überdreht. Aber da wir die Geschichte durch ihre Augen erleben, wissen wir eigentlich –also meine Begleitung und ich zumindest –, dass Cecilia permanent um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter kämpft. Die hat die Hoffnung aufgegeben, dass ihr Mann eines Tages kommen und die Situation erleichtern wird, und vegetiert mehr oder weniger stumm vor sich hin. Manchmal bin ich sauer auf die Mutter, weil sie sich gehen lässt und dem Kind keine Wärme gibt. Manchmal bekomme ich eine Gänsehaut, weil sie mir so leid tut. So zum Beispiel als sie während einer Sturmflut verzweifelt versucht, das einströmende Wasser aus der kleinen Hütte zu fegen.

Wie immer ist das Schlimmste an der Geschichte ihr Wahrheitsgehalt. Dass Regisseurin und Drehbuchautorin Paula Markovitch den Film ihren Eltern widmet, führt uns zu der Annahme, dass dieser Film tatsächlich autobiographische Züge hat. Leider ist niemand vom Filmteam anwesend, um das genauer zu erklären. Dann aber wieder spielt das auch keine Rolle. Denn selbst wenn dies keine Geschichte aus dem Leben der Filmemacherin ist, ist es sicher eine Geschichte aus dem Leben eines anderen Kindes während der Militärdiktatur Argentiniens.

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